Gedanken zum Pfoten-Pfad

Der Fluch der Kristallkugel: Wenn Hundehalter Katastrophen prophezeihen

Eckard Wulfmeyer • 12. Dezember 2025

Der Fluch der Kristallkugel: Wenn Hundehalter Katastrophen prophezeien


Du kennst das Gefühl, oder? Du sitzt gemütlich auf dem Sofa, der Hund döst tiefenentspannt zu Deinen Füßen. Alles ist ruhig. Doch in Deinem Kopf... beginnt die magische Show.


Manche Hundehalter haben eine übernatürliche Gabe entwickelt: Sie sind Meisterpropheten des Unheils! Sie können Probleme und Katastrophen sehen, wo in der Realität gerade gähnende Leere herrscht.


Wir nennen auf dem Pfoten-Pfad diese Fähigkeit ironisch den "Fluch der Kristallkugel".


Ein Blick in die magische Glaskugel:

  1. Die Katastrophe der leisen Schritte: Dein Hund geht brav in den Garten. Du sitzt drinnen. Die Glaskugel sendet sofort: »Achtung! Er frisst gerade den einzigen giftigen Pilz der Saison! Oder er hat in 0,3 Sekunden den halben Kompost von Eckards Wurmstube inhaliert!«
  • Realität: Er schnüffelt an einer Fliege und kommt 30 Sekunden später gähnend zurück.

  1. Die Prophezeiung der Begegnung: Du siehst am Horizont einen anderen Hund (noch 500 Meter entfernt). Deine Glaskugel projiziert: »Das ist der Hund, der uns bei der letzten Begegnung vor drei Monaten irritiert hat! Er wird auf diese Stelle des Gehwegs zusteuern, genau dann, wenn Du unaufmerksam bist. Es wird ein Leinen-Massaker!«
  • Realität: Die Hunde gehen entspannt vorbei, weil Du in diesem Moment (hoffentlich) einfach nur ruhig weitergegangen bist.

  1. Das Horror-Szenario der Leine: Dein Hund läuft gerade in perfekter, entspannter Freifolge, ganz ohne Kommando. Die Glaskugel flüstert unheilvoll: »Das ist die Ruhe vor dem Sturm. Gleich rennt er weg. Gleich sieht er das Reh, das seit drei Jahren nicht mehr hier war. Du wirst ihn nie wieder sehen! Zieh sofort die Leine straff, um die Katastrophe zu verhindern!«
  • Realität: Er genießt Deine Präsenz und folgt Deiner Klarheit.

Die Falle der Über-Führung

Diese mentalen Voraussagen sind nichts anderes als Dein Nervensystem auf Autopilot. Es ist das Gegenteil von Präsenz. Du bist nicht im Jetzt mit Deinem Hund, Du bist mental bereits in der Katastrophe von morgen.

Diese Über-Kontrolle, dieses ständige Ausschauhalten nach dem Fehler, entzieht Dir und Deinem Hund die Ruhe. Es ist, als würdest Du einen Anker voller Stress ins Wasser werfen, bevor das Schiff überhaupt losgefahren ist.

Beim Pfoten-Pfad lernst Du, diese magische, aber schädliche Fähigkeit abzustellen. Denn die größte Freude und Belohnung für Deinen Hund ist nicht Dein hellseherisches Talent, sondern Deine sichere, soziale Beziehung, und die entsteht nur, wenn Du jetzt ruhig und klar bist, statt morgen in Panik.


Die Zukunft lässt sich nicht führen. Sie entsteht im nächsten Schritt, nicht in der nächsten Befürchtung.


In meinen Büchern „So kannst du deinen Hund überallhin mitnehmen“ und „Vorne gucken, gehen!“ geht es genau um diesen Perspektivwechsel. Nicht darum, Risiken zu berechnen oder Szenarien zu vermeiden, sondern darum, Verantwortung im Hier und Jetzt zu übernehmen und Führung nicht an Gedanken über morgen abzugeben.


In den Wochenseminaren wird dieser Schritt erfahrbar. Dort zeigt sich, was passiert, wenn wir aufhören, vorauszusehen, und beginnen, präsent zu gehen, ohne Kristallkugel, aber mit Klarheit.


Wer beim Lesen dieses Textes gemerkt hat, wie viel Energie in Befürchtungen gebunden ist, findet dort Raum, den Blick wieder nach vorne zu richten.


von Eckard Wulfmeyer 29. Januar 2026
Der Artikel erklärt den Unterschied zwischen Hundehalter und Musher. Er zeigt, warum echte Führung mit Hund nicht durch Kontrolle entsteht, sondern durch Haltung, Klarheit und gemeinsame Bewegung.
von Eckard Wulfmeyer 15. Januar 2026
Ich erlebe oft, dass Menschen lieber eine Diagnose bekommen, als Verantwortung zu übernehmen. Es ist bequemer, wenn ein Papier erklärt, warum man so ist, wie man ist. Der Gedanke, dass man sich selbst verändern könnte, ist anstrengend. Lieber sagt man: „Ich bin eben so.“ Ein Etikett entlastet. Es ersetzt das Nachdenken. Mit Hunden ist es ähnlich. Viele suchen nach einer Erklärung, warum ihr Hund so schwierig ist. „Er ist eben ängstlich“, „Das ist seine Rasse“, „Der wurde in der Welpenzeit falsch geprägt“, alles kleine Diagnosen, die sich anhören wie Entschuldigungen. Es klingt verständnisvoll, fast liebevoll. Aber in Wahrheit nehmen sie dem Hund die Möglichkeit, sich zu verändern. Sie frieren ihn ein in dem, was er gerade ist. So wie der Mensch, der sich über seine Depression definiert, definiert sich der Hund über seine vermeintliche Störung. Beide bleiben stehen, wo Bewegung nötig wäre. Auf dem Pfoten-Pfad geht es nicht um Etiketten, sondern um Entwicklung. Ein Hund ist kein Symptom, er ist ein Spiegel. Wenn er pöbelt, wenn er sich zurückzieht, wenn er nicht folgt, dann zeigt er etwas. Er spiegelt das, was in der Beziehung gerade nicht stimmig ist. So wie ein Therapeut nicht die Tablette sucht, sondern das Gespräch, sucht Lisa den Kontakt zum Hund. Keine Diagnose, kein Kommando, kein Rezept. Nur Beziehung. Ich erinnere mich an einen Mann, der mit seinem Rüden zu uns kam. Der Hund trug ein Geschirr mit der Aufschrift „Angsthase“. Der Halter sagte, das helfe anderen, Abstand zu halten. Lisa bat ihn, das Geschirr auszuziehen. Der Hund stand einen Moment still, sah uns an, dann hob er die Nase und roch in den Wind. Zum ersten Mal sahen wir, wie seine Rute leicht schwang. Es war, als würde jemand die Etiketten im Kopf abreißen, nicht nur im Kopf des Hundes. Padberg sagte einmal, Diagnosen entlasten Menschen von Verantwortung. Das gilt besonders dann, wenn man glaubt, das Problem liege in einem Fehler des Gehirns. Dann ist niemand mehr schuld, niemand mehr gefragt, etwas zu verändern. Und das Umfeld reagiert verständnisvoll: Man bekommt Mitleid, man bekommt Zuwendung, manchmal sogar Bewunderung für das eigene Leiden. Aber man verliert den Zugang zur eigenen Kraft. So wie der Hund, dem man sagt, er sei „nicht sozialisierbar“ wird auch im Hundetraining ständig nach biologischen oder genetischen Erklärungen gesucht. Hormone, Rasse, Instinkte, Vererbung, alles soll erklären, warum der Hund so ist, wie er ist. Aber diese Erklärungen nehmen dem Menschen die Verantwortung, eine Beziehung zu gestalten. Sie machen das Tier zu einer Maschine, deren Schaltkreise man nur richtig verstehen müsse, um sie zu reparieren. Doch Beziehung ist keine Reparaturwerkstatt. Wenn Lisa mit ihren Huskys arbeitet, sehe ich oft das Gegenteil: Hunde, die im reinen Zusammenleben plötzlich anders werden, obwohl sich ihre Gene, Hormone und Hirnchemie kein Stück verändert haben. Was sich verändert, ist die Haltung des Menschen. Seine Präsenz. Seine Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen: für sich, für den Moment, für die gemeinsame Bewegung. Der Hund spürt das. Und er verändert sich. Jede Veränderung von dir verändert deinen Hund, das ist das Gesetz der Resonanz, das ist die Grundlage des Pfoten-Pfad. Es ist erstaunlich, wie schnell ein Hund, dem man jahrelang „Angst“ zugeschrieben hat, wieder sicher laufen kann, wenn er jemanden hat, der wirklich führt. Nicht laut, nicht hart, sondern innerlich und klar. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass Führung dem Leben Struktur gibt, wo sonst Diagnose nur Erklärung liefert, denn eine Diagnose beschreibt, was ist. Führung zeigt, was werden kann. Wenn Menschen Verantwortung übernehmen, verändert sich die Atmosphäre. Sie stehen aufrechter, ihre Stimme wird ruhiger, ihr Blick klarer, nur aufgrund ihrer veränderten inneren Haltung. Ihr Hund liest das und beginnt, sich neu zu orientieren. Das ist die eigentliche Biochemie: Beziehung setzt Hormone frei, Vertrauen verändert den Körper, Bewegung baut Spannung ab. Man kann es im Labor messen und jeder Hund kann es spüren. Der Unterschied zwischen Therapie und Beziehung ist derselbe wie zwischen einem Etikett und einem Halsband. Das Etikett klebt fest, das Halsband kann man öffnen, wenn die Bindung stark genug ist. Und wenn der Moment kommt, an dem der Hund frei neben einem läuft, ganz ohne Leine, dann ist das die schönste Form von Heilung, und zwar für beide. Wenn du bereit bist, die Etiketten abzureißen und dich stattdessen auf das Abenteuer einer echten Beziehung einzulassen, dann ist mein Buch ‚Vorne gucken, gehen! ‘ dein Wegweiser. Es ist kein klassischer Ratgeber mit schnellen Rezepten, sondern eine Einladung, die Führung in deinem Leben und in der Beziehung zu deinem Hund neu zu definieren. Denn Heilung beginnt dort, wo wir aufhören zu erklären und anfangen zu führen. Lass uns gemeinsam den ersten Schritt machen, weg von der Diagnose, hin zur Bewegung. Schau nach vorn, nimm die Leine locker und geh einfach los. Dieses Lösen von alten Etiketten und das Hineinwachsen in eine echte, verantwortungsvolle Führung ist ein Prozess, der Raum und Zeit benötigt, weit weg vom Lärm des Alltags. In unseren Wochenseminaren auf dem Pfoten-Pfad bieten wir dir genau diesen geschützten Rahmen. Gemeinsam mit Lisa und ihren Huskys laden wir dich ein, eine Woche lang die Diagnosen hinter dir zu lassen und stattdessen die Sprache der Resonanz zu lernen. Es ist eine Einladung, nicht nur das Verhalten deines Hundes, sondern deine eigene Präsenz neu zu entdecken und zu erleben, wie aus bloßem Nebeneinanderhergehen eine tiefe, freie Verbindung wird. Wenn du bereit bist, die Verantwortung für diese Bewegung zu übernehmen, begleiten wir dich und deinen Hund gerne auf diesem Weg.
von Eckard Wulfmeyer 12. Dezember 2025
So trainierst Du Deine Präsenz in 3 Übungen I m letzten Beitrag haben wir über die große Täuschung gesprochen: dass Beziehungsarbeit keine Leckerli-Technik ist, sondern eine Frage Deiner inneren Haltung. Der Hund spiegelt Deine Ruhe oder Deine Anspannung. Aber wie trainierst Du diese Ruhe? Wie hörst Du auf, im entscheidenden Moment in die "Katastrophen-Kristallkugel" zu starren? Die Antwort kommt aus dem Spitzensport und dem Mental-Coaching. Bereit für den Wechsel: Vom Wissen zum Können Führung ist ein e Identitätsfrage, kein Befehl. Es geht darum, das Gefühl von Ruhe in Deinem Körper zu verankern, anstatt sie nur nachzuahmen. Ich zeige Dir jetzt drei einfache und sofort umsetzbare Mentaltrainings-Übungen, die Du jederzeit und überall durchführen kannst. Sie wurden von Top-Athleten genutzt, um unter größtem Druck zu bestehen und sie funktionieren auch perfekt, um Deine Präsenz in der Hundebegegnung zu sichern. Die 3 Schlüssel-Übungen für Deine mentale Stabilität: 1. Die Kugelschreiber-Übung: Der Beweis Deiner mentalen Macht Diese Übung macht Dir sofort bewusst: Deine Gedanken sind körperliche Befehle. So geht’s: Nimm einen Kugelschreiber an einem Faden. Stütze Deinen Ellenbogen ab, lass den Stift frei über einer Tischplatte schweben. Der Fokus: Schließe die Augen. Visualisiere intensiv , wie der Kugelschreiber vor und zurück schwingt. Dann visualisiere eine Kreisbewegung . Der Effekt: Dein Körper wird dem Gedanken folgen. Der Stift bewegt sich. Du spürst am eigenen Leib: Deine Absicht wird unmittelbar zur körperlichen Realität. Das ist die Grundlage für jede klare Ansage an Deinen Hund: Was ich denke, wird Realität. 2. Die Faust-Technik: Der Konzentrations-Anker für Notfälle Wenn der Druck steigt (Begegnung, Lärm, Stress), brauchst Du einen physischen Auslöser, um sofort Klarheit herzustellen und das Stresslevel zu unterbrechen. So geht’s: Bal le 15-mal für jeweils eine Sekunde die lin ke Hand fest zur Faust. Der Fokus: Konzentriere Dich auf das Loslassen und die Anspannung. Der Effekt: Dieser einfache Trick löst eine sofortige Entspannungswirkung a us (ein neurologischer Kniff). Du befreist Dein Nervensystem kurzzeitig vom unmittelbaren Druck und gewinnst jene Millisekunde der Klarheit zurück, die Du brauchst, um die Führung zu übernehmen anstatt nur zu reagieren. 3. Der Innere Dialog: Vom Katastrophendepot zum Lösungsfinder Ständiges Katastrophendenken ("Was, wenn er zieht?") ist Stress pur. Die größte Waffe dagegen ist ein trainierter rationaler Dialog. So geht’s: Sobald ein Problem oder eine Angst aufsteigt, stell Dir sofort die Fr age: "Was ist das Gute daran?" Der Fokus: Es geht nicht ums Schönreden, sondern um einen Perspektivwechsel . Der Effekt: Die Frage unterbricht die Stressreaktion sofort und senkt das Stresslevel. Du wechselst den Fokus vom Problem auf die Lösung oder die Lektion. Das schafft die innere Ruhe, die Dein Hund braucht, um Dir zu folgen. Dein Fazit Diese Übungen sind Dei n mentales Training. Sie s ind die "Muskeln" der Führung, die Du regelmäßig wiederholen musst, bis sie unter Druck funktionieren. Hör auf, Dich nur auf die Techniken am Hund zu konzentrieren. Be ginne jetzt mit der Arbeit an Dir selbst. Das ist der wahre Pfoten-Pfad zur entspannten Partnerschaft.  Klarheit entsteht selten im Kopf. Sie entsteht im Gehen, im Wahrnehmen, im Weglassen. In meinem Buch „Vorne gucken, gehen!“ habe ich diese Gedanken gesammelt. Nicht als Methode und nicht als Anleitung, sondern als Einladung, den Blick wieder nach vorn zu richten und Führung weniger zu denken, sondern mehr zu leben. In den Wochenseminaren geht dieser Weg weiter. Dort wird aus dem inneren Bild eine körperliche Erfahrung. Es geht nicht um Schritte, die man richtig macht, sondern um eine Haltung, die trägt, auch dann, wenn es unübersichtlich wird. Wer beim Lesen dieses Textes gemerkt hat, dass das Kopfkino leiser geworden ist, findet dort Raum, diese Klarheit weiter zu vertiefen.
von Eckard Wulfmeyer 12. Dezember 2025
Die große Täuschung: Warum Beziehungsarbeit keine Leckerli-Technik ist Du willst eine tiefe, vertrauensvolle Beziehung zu Deinem Hund? Dann musst Du aufhören, Dich wie ein konditionierter Affe zu verhalten. Wenn Du über 20 bist, hast Du gelernt, dass wahre Führung und tragfähige Partnerschaften nicht durch Checklisten oder ständige Belohnung entstehen. Sie entstehen durch Klarheit und Haltung. Und doch erlebst Du in der Hundewelt oft das Gegenteil: Trainer werben mit dem schönen Wort "Beziehungsarbeit", meinen aber am Ende nur eines: reines Verhaltenstraining. Das ist die große Täuschung, die wir mit dem Pfoten-Pfad auflösen. Was die meisten Hundeschulen unter »Beziehung« verstehen Fast überall wird Beziehungsarbeit heute als eine Ansammlung von Methoden verkauft: Marker-Wörter, Leckerli-Timing, die richtige Korrekturtechnik. Die Kernaussage dahinter lautet: Ich bringe Deinem Hund durch Konditionierung bei, auf Deine Signale zu reagieren. Wenn der Hund funktioniert, wird die Beziehung besser. Dieses Denken stellt die Ursache auf den Kopf. Es ignoriert die goldene Regel jeder erfolgreichen Partnerschaft: Beziehung ist die Ursache. Verhalten ist die Wirkung. Der Fehler im System: Arbeit am falschen Ende Wenn Dein Hund an der Leine zieht, ist das in den seltensten Fällen ein Problem fehlender Kommandos. Es ist fast immer ein Problem Deiner inneren Haltung. Dein Hund ist Dein gnadenloser Spiegel. Er spürt Deine subtile Unsicherheit, Deine latent aggressive Energie oder Deine innere Unruhe und er versucht, die Führung zu übernehmen, weil seine Quelle der Sicherheit (Du!) gerade ausfällt. Wo die Diskrepanz liegt: Konditionierung (Verhaltenstraining): Beziehungsarbeit (Pfoten-Pfad): Fokus: Verhalten und Technik Fokus: Identität und innere Klarheit Ziel: Der Hund funktioniert auf Ansage. Ziel: Der Hund folgt aus Zu- und Vertrauen. Die Arbeit: Findet am Hund statt. Die Arbeit: Findet am Menschen statt. Solange Du Dich nur darauf konzentrierst, den Hund zu konditionieren, ihn mit Belohnung zu formen, arbeitest Du nur am Symptom. Echte Führung ist eine Identitätsfrage Wahre, stabile Beziehungen entstehen durch Sicherheit, Verlässlichkeit und klare Rollen. Ein durch Konditionierung trainierter Hund mag im Alltag funktionieren. Aber was passiert, wenn Du im Sturm stehst? Wenn es laut wird, ein anderer Hund kommt oder der Plan zusammenbricht? Der konditionierte Hund wird warten und zögern. Er hat gelernt: Ich bin nur erfolgreich, wenn ich exakt die Anweisung ausführe. Echte Beziehungsarbeit im Sinne des Pfoten-Pfad lehrt den Hund: "Bei diesem Menschen bin ich sicher, egal was kommt." Die größte Belohnung für Deinen Hund ist Deine sichere, soziale Beziehung. Diese Belohnung lieferst Du aber nur, wenn Du mental stabil und klar bist. Deshalb ist Beziehungsarbeit: Arbeit an Deiner inneren Klarheit und Ruhe. Arbeit an Deiner Rolle als Versorger und Beschützer. Arbeit an Deiner Resilienz. Der Test: Was passiert im Ernstfall? Der ultimative Test für Eure Beziehung ist nicht der Trainingsplatz. Wenn Dein Hund in Stress gerät und sofort Nähe zu Dir sucht, weil er Deine Präsenz als seinen sicheren Hafen empfindet, dann hast Du wahre Beziehungsarbeit geleistet. Wenn Du das nächste Mal einen Trainer hörst, der "Beziehungsarbeit" verspricht, frage Dich: Arbeitet er am Hund, oder arbeitet er an mir? Denn nur die Arbeit an Deiner Stabilität und Deiner Identität als Fels in der Brandung, nur das ist wahre Beziehungsarbeit im Sinne des Pfoten-Pfades. Es ist die Arbeit, die es Dir erlaubt, zu führen, statt zu kontrollieren. Beziehung entsteht nicht durch Austausch und nicht durch Belohnung und nicht durch geschickte Abläufe. Sie entsteht dort, wo jemand bereit ist, präsent zu bleiben, auch wenn es nichts zu geben und nichts zu bekommen gibt. In meinen Büchern „Der Pfoten-Pfad“ und „Vorne gucken, gehen!“ geht es genau um diese Haltung. Nicht darum, Verhalten zu steuern, sondern darum, Beziehung ernst zu nehmen und Führung nicht an Technik auszulagern. In den Wochenseminaren wird dieser Gedanke erfahrbar. Dort zeigt sich, was passiert, wenn wir aufhören, etwas zu „machen“, und beginnen, wirklich da zu sein: im Gehen, im Stehen, im gemeinsamen Alltag. Wer beim Lesen dieses Textes gemerkt hat, dass Beziehung mehr verlangt als Belohnung, findet dort Raum, diesen Weg weiterzugehen.
von Eckard Wulfmeyer 8. Oktober 2025
Im Alltag bedeutet dieser Leitsatz: Verantwortung übernehmen, Orientierung geben und den Weg mit Achtsamkeit gestalten. Es heißt, vorne zu sein. Als verlässliche Führung, die Orientierung und Sicherheit bietet. Für den Hund wird so eine klare Struktur geschaffen. Für den Menschen bedeutet es Präsenz und bewusste Haltung. Die Verhaltensforschung zeigt: Hunde orientieren sich instinktiv an der Bewegung und Haltung ihres Menschen. Wer selbst unsicher wirkt, überträgt diese Unsicherheit. Wer jedoch klar vorangeht, sendet Signale von Sicherheit und Führung. Studien zur Mensch-Hund-Beziehung bestätigen: Hunde reagieren stärker auf Körpersprache als auf verbale Kommandos. „Vorne, gucken, gehen“ setzt genau hier an, bei der nonverbalen Führung. Stell dir vor, du gehst mit deinem Hund spazieren. An einer Straßenecke bleiben viele Passanten stehen. Dein Hund sieht Unbekanntes, wird unsicher. Wenn du selbst innehältst, den Blick senkst und zögerst, spürt er diese Unsicherheit. Das Ergebnis: Er bleibt ebenfalls stehen oder zieht in verschiedene Richtungen. Anders verhält es sich, wenn du „vorne guckst“, dich bewusst ausrichtest, Haltung einnimmst und gelassen weitergehst. Der Hund spürt deine Präsenz, orientiert sich an deiner Bewegung und folgt dir leichter. Du führst nicht mit Druck, sondern mit Klarheit. Warum es die Beziehung stärkt „Vorne, gucken, gehen“ ist keine Technik, sondern eine Haltung. Es verändert die Art, wie Mensch und Hund miteinander unterwegs sind. Der Hund lernt, deinem Blick und deiner Präsenz zu vertrauen. Der Mensch lernt, Verantwortung zu übernehmen, statt nur zu reagieren. Das schafft eine Beziehung auf Augenhöhe, getragen von Vertrauen und Bewegung. Pfoten-Pfad und „Vorne, gucken, gehen“ Für den Pfoten-Pfad ist dies ein Kernprinzip: nicht nur den Hund zu führen, sondern sich selbst bewusst zu führen. In der Praxis bedeutet das, jeden Schritt, jede Bewegung und jede Entscheidung achtsam zu gestalten – ob beim Fahrradfahren mit Hund, beim Spaziergang oder im Alltag. „Vorne, gucken, gehen“ ist eine Einladung, Führung als Haltung zu verstehen. Vorne, gucken, gehen bedeutet nicht, voranzustürmen, sondern präsent zu führen, Orientierung zu geben und Beziehung durch Bewegung zu schaffen. Vorne gucken, gehen ist kein Leitsatz. Es ist eine Haltung, die sich nicht erklären lässt, sondern nur leben. In meinem Buch „Vorne gucken, gehen!“ habe ich diese Haltung gesammelt. Nicht als Methode und nicht als Versprechen, sondern als Einladung, den eigenen Blick zu klären und Verantwortung nicht mehr zu verschieben.  In den Wochenseminaren wird daraus Bewegung. Dort zeigt sich, was passiert, wenn Denken leiser wird und Führung aus Präsenz entsteht, Schritt für Schritt, im Gehen, nicht im Reden. Wer beim Lesen dieses Textes gespürt hat, dass genau darin etwas Entlastendes liegt, findet dort einen Raum, diesen Weg weiterzugehen.
von Eckard Wulfmeyer 5. Oktober 2025
Fahrradfahren mit dem eigenen Hund klingt nach Freiheit, nach gemeinsamem Rhythmus, nach Wind im Gesicht. Doch bevor aus dieser Vorstellung Wirklichkeit wird, braucht es Sicherheit und ein kleines bisschen Technik. Denn einfach mit einer Leine loszufahren, ist gefährlich. Ein Hund, der plötzlich bremst oder zur Seite springt, bringt dich schneller ins Straucheln, als du reagieren kannst. Darum lohnt sich ein Hilfsmittel, das für Ruhe sorgt: der Dogrunner von Kleinmetall. Er kostet etwa 40 bis 60 Euro (je nachdem, wo man sucht) und ist jeden Cent wert. (Hier gibt es ihn bei Amazon) Die eingebaute Feder fängt jeden Ruck ab. Selbst wenn dein Hund plötzlich stoppt oder einen Sprung macht, bleibst du aufrecht und das Rad kippt nicht. Für mich beim Pfoten-Pfad ist das die Lösung, mit der Mensch und Hund entspannt und sicher ins gemeinsame Fahren kommen. Doch Technik allein ist nicht alles. Was wirklich zählt, sind die ersten Erfahrungen, die ein Hund am Rad macht. Lisa kennt diesen Moment gut, wenn ihre jungen Huskys das erste Mal an ein Fahrrad herangeführt werden. Sie sind meist acht Monate alt, voller Energie und Neugier, aber gleichzeitig noch unberührt von dem, was später ihre Welt prägen wird: Schnee, Schlitten, lange Distanzen. Lisa nimmt sich jeden Hund einzeln. Kein Rudel, kein Rennen, kein Druck. Nur ein Geschirr, das sie dem jungen Hund ruhig überstreift, ein Fahrrad, das neben ihnen steht, und sie selbst, die sich in den Sattel setzt. Die ersten Meter sind oft tastend. Manche Hunde schauen skeptisch, schnuppern an der seltsamen Konstruktion, manche bleiben stehen und wollen nicht recht loslaufen. Dann zieht Lisa sanft an, das Rad rollt an, und der Hund läuft zögernd mit. Noch unsicher, noch suchend. Doch schon nach wenigen Metern verändert sich etwas. Aus dem Abwarten wird ein Mitlaufen. Aus dem Mitlaufen wird ein Rhythmus. Und nach wenigen hundert Metern geschieht das, was Lisa immer wieder staunen lässt: Der Hund beginnt, die Bewegung zu lieben. Er trabt nicht mehr nur mit, er fordert sie regelrecht auf, schneller zu fahren. Manche beginnen sogar, das Rad zu ziehen, als hätten sie es schon immer gekannt. „Beim Pfoten-Pfad fahre ich mit dem Hund sicher am Rad, indem ich den Dogrunner nutze und den Hund Schritt für Schritt an das gemeinsame Laufen gewöhne. So entstehen Bewegung, Freude und eine stärkere Beziehung.“ Für Lisa ist das einer der schönsten Momente. Dieses erste Staunen der Hunde, wenn sie begreifen, dass die Bewegung gemeinsam getragen wird. Kein Zerren an der Leine, keine Unsicherheit, nur ein klarer Weg nach vorne. Und genau da liegt die Kraft: Fahrradfahren ist nicht nur Training, es ist Beziehung. Der Hund lernt, sich an deinem Tempo zu orientieren, während du vorne den Weg bestimmst. So entsteht Führung, getragen von Vertrauen und Begeisterung. Nach ein paar hundert Metern haben sich die Hunde eingelaufen, nach ein paar Kilometern ist es, als wären sie schon immer Seite an Seite mit dem Rad unterwegs gewesen. Und das bleibt nicht nur eine Erfahrung von Lisa und ihrem Rudel. In den vergangenen Jahren haben weit über tausend Menschen genau auf diese Weise begonnen, das Radfahren mit ihrem Hund zu entdecken, Schritt für Schritt, Hund für Hund. Für viele von ihnen ist daraus ein neues Hobby geworden, das nicht nur Bewegung schenkt, sondern vor allem eines: eine stärkere, tiefere Beziehung zum eigenen Hund. Beim Pfoten-Pfad ist Fahrradfahren mit Hund nicht einfach eine Sportart. Es ist eine Form von Beziehung in Bewegung. Ein gemeinsames Vorwärtsgehen, bei dem beide wachsen: der Mensch in seiner Präsenz, der Hund in seiner Freude, Seite an Seite unterwegs zu sein. (Mehr dazu: Vorne gucken, gehen! Du möchtest mit deinem Hund Radfahren und suchst Hilfe? Hier ist ein Angebot für dich: Wochenseminare
von Eckard Wulfmeyer 3. Oktober 2025
Viele Haustiere wählen beim Erbrechen ausgerechnet den Teppich oder das Sofa. Dieses Verhalten wirkt ärgerlich, hat aber klare instinktive Gründe: Halt, Sicherheit und Geborgenheit. Halt und Sicherheit statt Rutschgefahr Tiere, denen übel ist, suchen instinktiv nach einem festen Stand. Auf glatten Böden rutschen sie leicht mit den Pfoten weg, was das Unwohlsein verstärkt. Ein Teppich, eine Decke oder das Sofa geben Halt und damit das Gefühl von Sicherheit in einem Moment, in dem der Körper schwach ist. Instinkt aus der Natur Verhaltensbiologen gehen noch einen Schritt weiter: In freier Wildbahn vermeiden Tiere es, mit Geruchsspuren Feinde auf sich aufmerksam zu machen. Weiche Untergründe wie Gras oder Sand saugen Flüssigkeit auf und binden Gerüche schneller als harte Flächen. Dieser alte Instinkt scheint auch heute noch wirksam zu sein. Teppich und Bettdecke sind für das Haustier das naheliegende „Ersatz-Gras“. Geborgenheit statt Bloßstellung Viele Tiere suchen beim Erbrechen außerdem versteckte oder geschützte Orte auf: unter dem Tisch, in einer Ecke oder eben auf der Lieblingsdecke. Ein krankes Tier ist verwundbar. Nähe zu vertrauten Oberflächen bedeutet Geborgenheit, fast so, als würde es die Nähe seines Menschen spüren. Kann man das Verhalten ändern? Nein, abtrainieren lässt es sich nicht. Die Instinkte sind tief verankert. Wer sein Tier gerade noch rechtzeitig bemerkt, kann den Teppich wegziehen oder es sanft umlenken. Hochheben sollte man vermeiden, da dies in der ohnehin angespannten Situation zu Panik führen kann. Praxis-Tipp für Tierhalter Je frischer die Spur, desto leichter die Reinigung. Zunächst mit Küchenpapier grob aufnehmen. Danach hilft ein bewährter Trick: Natron oder Maisstärke auf den noch feuchten Fleck streuen, einwirken lassen und anschließend absaugen. So bleibt der Teppich sauber und die Bindung zum Tier ungetrübt. Beim Pfoten-Pfad geht es genau um dieses Verständnis: Verhalten nicht gegen die Natur des Tieres bekämpfen, sondern erkennen, wo Instinkt und Sicherheit zusammenwirken. „Wenn Hund oder Katze den Teppich wählen, steckt kein Trotz dahinter, sondern Instinkt, Sicherheit und Geborgenheit.“ Manchmal liegen die Antworten nicht dort, wo wir sie suchen. Nicht im Verhalten des Tieres und nicht im nächsten Erklärungsversuch, sondern in dem, was wir übersehen, weil es zu nah ist. In meinem Buch „Vorne gucken, gehen!“ geht es genau um diesen Blickwechsel. Es geht nicht darum, Symptome zu deuten oder Probleme zu lösen, sondern darum, die Beziehung als Ganzes wahrzunehmen und die eigenen Muster ernst zu nehmen. In den Wochenseminaren wird dieser Blick praktisch. Dort geht es nicht um Ursachenforschung, sondern um Präsenz, Haltung und die Frage, was sich verändert, wenn wir selbst aufhören, auszuweichen. Wer beim Lesen dieses Textes schmunzeln musste und gleichzeitig gemerkt hat, dass mehr dahintersteckt, findet dort Raum, diesen Gedanken weiterzuverfolgen.
von Eckard Wulfmeyer 18. August 2025
Wenn man nicht für etwas steht, ist man ein Niemand. Auch in den Augen des Hundes. Das klingt vielleicht hart, ist aber im Kern ganz einfach Psychologie und Biologie. Ein Hund prüft nicht, ob du Abitur hast, einen Doktortitel trägst oder ein teures Auto fährst. Ihn interessiert auch nicht, ob du im Büro den Chef spielst oder in der Nachbarschaft als freundlicher Typ bekannt bist. Für deinen Hund bist du genau das, was du in seinem Alltag zeigst. Stehst du für nichts, dann bist du für ihn niemand. Warum Klarheit Sicherheit gibt In der Psychologie ist längst bekannt: Menschen, die eine klare Haltung zeigen, gelten als verlässlich und vertrauenswürdig. Sie senden eindeutige Signale aus, die andere einschätzen können. In Gruppen, egal ob in Unternehmen, im Klassenzimmer oder auf dem Sportplatz, sind es nicht die Lautesten, die am Ende führen, sondern die, die eine klare Linie haben. Bei Hunden ist es genauso. Sie sind Meister darin, Authentizität zu erkennen. Ein Hund braucht kein Wörterbuch, um dich zu durchschauen. Deine Körpersprache, dein Tonfall, deine Energie, all das verrät ihm, ob du etwas meinst oder nur so tust. Sitzt du abends im Sessel und denkst: „Ach, morgen müsste ich mal konsequenter sein“, dann weiß dein Hund schon heute, dass du es nicht sein wirst. Aurora und das Sofa Es war einer dieser Abende, an denen das ganze Rudel satt, zufrieden und etwas müde im Wohnzimmer verteilt lag. Aurora, die junge Hündin mit dem weichen Blick, stand vor dem Sofa. Normalerweise durfte sie dort hoch, ein Ort der Nähe, ein Stück Gemeinsamkeit. Doch heute hatte sie gerade ein Bad im Ententeich hinter sich, und ihr Fell war noch klamm. Aurora schaute fragend zu Lisa, dann zum Sofa, dann wieder zurück. Man konnte förmlich sehen, wie sie wartete, ob heute „Ja“ oder „Nein“ gilt. Lisa blieb entspannt, lächelte sogar ein wenig, und sagte ruhig: „Heute nicht, Aurora.“ Ihre Handbewegung unterstrich die Worte. Kein Ärger, keine Schärfe, einfach Klarheit. Aurora zögerte kurz, schüttelte sich noch einmal und ließ sich dann auf ihrer Decke nieder. Das Entscheidende: Aurora erlebte nicht Willkür, sondern eine klare Entscheidung, die Sinn ergab. Denn im Alltag wusste sie, dass das Sofa erlaubt ist. Heute nicht und das war für sie genauso bindend, weil Lisa es mit Überzeugung gesagt hatte. Hunde akzeptieren Regeln nicht deshalb, weil sie in Stein gemeißelt sind, sondern weil sie spüren, dass der Mensch für etwas steht. Und das kann auch eine situative Entscheidung sein, solange sie aus Klarheit und Präsenz kommt. So zeigt sich: Es geht nicht darum, immer dieselben Regeln starr durchzusetzen. Es geht darum, dass der Mensch überhaupt eine Haltung hat und diese im Moment konsequent vertritt. Wer das tut, gewinnt Respekt. Wer es nicht tut, wirkt beliebig. Hunde brauchen Standpunkte, keine Schwankungen Psychologisch betrachtet ist es so: Ein fehlender Standpunkt beim Menschen löst Unsicherheit beim Hund aus. In einer Welt, in der alles deutliche Strukturen hat, Territorium, Rangordnung, Ressourcen, wirkt ein schwankender Mensch wie ein Loch in der Landschaft. Das ist, als würdest du in einem Unternehmen arbeiten, in dem der Chef keine Entscheidungen trifft. Jeder macht, was er will, jeder glaubt, er hätte recht. Am Ende kracht es, Projekte gehen schief, und das Klima im Büro vergiftet sich. Genau das passiert auch in deinem kleinen „Unternehmen Hund“. Ohne deine klare Haltung übernimmt der Hund die Führung, weil jemand führen muss. Manche Menschen meinen, sie müssten „ihren Hund einfach nur liebhaben, dann klappt das schon“. Das ist ungefähr so, als würde ein Kapitän sagen: „Ich liebe mein Schiff, also fährt es sicher in den Hafen.“ Nein. Wenn du den Kurs nicht bestimmst, treiben Schiff und Mannschaft ab und am Ende rettet dich nicht die Liebe, sondern der Schlepper. Was es bedeutet, für etwas zu stehen Für etwas zu stehen heißt nicht, starr zu sein. Es heißt, deinem Hund zu zeigen: „Das ist mein Weg, und du kannst mir vertrauen.“ Das wirkt vielleicht streng, ist aber das Gegenteil. Es schafft Freiheit, weil dein Hund endlich weiß, woran er ist. Menschen mit klaren Prinzipien strahlen Ruhe und Sicherheit aus. In der Psychologie spricht man hier von kongruentem Verhalten. Das, was man denkt, sagt und tut, stimmt überein. Hunde erkennen Kongruenz sofort. Sie folgen keinem Menschen, der schwankt, sie folgen dem, der eindeutig ist. Und deshalb gilt: Wenn du nicht für etwas stehst, bist du in den Augen deines Hundes niemand. Frage dich also: Wofür stehst du mit deinem Hund? Für Klarheit? Für Ruhe? Für Respekt? Wenn du darauf eine Antwort findest und sie lebst, wirst du merken: Dein Hund schaut dich plötzlich an wie jemanden, der Bedeutung hat. Und das ist der schönste Lohn überhaupt. Myrthe und die Begegnung unterwegs Lisa war mit Myrthe und Aurora auf einem Spaziergang unterwegs. Der Feldweg führte an einer Wiese entlang, auf der ein anderer Hund mit seinem Halter spielte. Myrthe spitzte sofort die Ohren, die Rute ging leicht hoch, der Körper nach vorn: die Einladung zum Rennen und Spielen war deutlich. Nun kennt Myrthe solche Situationen. Mal lässt Lisa sie laufen, wenn es passt, mal bleibt sie bei ihr, wenn die Umstände nicht stimmen. Heute war so ein „nicht passend“-Tag: zu viele Hunde unterwegs, die Stimmung etwas unruhig, und außerdem war Lisa gerade mit einem Gespräch am Handy beschäftigt. Myrthe zog einen halben Schritt vor, die Spannung in der Leine stieg. Lisa reagierte sofort. Keine lange Erklärung, kein Kampf, kein Brüllen, nur eine ruhige, klare Ansage: „Heute nicht, Myrthe.“ Der Tonfall, die kleine Körperspannung, all das machte unmissverständlich klar: Bleib bei mir. Man konnte fast sehen, wie Myrthe innerlich abwog: „Wirklich nicht? Aber da drüben wäre es doch so spannend …“ Sie drehte den Kopf kurz zurück zu Lisa und da war die Antwort: klar, ruhig, fest. Also blieb Myrthe an ihrer Seite, schnaubte einmal tief, als würde sie sagen: „Na gut.“ Das Entscheidende ist wieder: Lisa stand für etwas. Nicht generell „nie darfst du zu anderen Hunden“, sondern jetzt nicht. Und weil Lisa das mit Überzeugung sagte, hatte es für Myrthe Gewicht. Für die Hunde ist nicht die starre Regel das Entscheidende, sondern die Klarheit der Führung. Myrthe konnte genau unterscheiden: Heute Nein, an einem anderen Tag vielleicht Ja. Was zählt, ist nicht die absolute Vorgabe, sondern die spürbare Haltung. So lernen die Hunde: Der Mensch ist der, der entscheidet, und er entscheidet bewusst. Und genau das schafft Respekt und Vertrauen, selbst wenn die Entscheidung für den Hund gerade mal nicht das ist, was er sich wünscht. Haltung entsteht nicht im Wollen, sondern im Stehenbleiben. In dem Moment, in dem klar wird, wofür man steht und wofür nicht. In meinem Buch „Vorne gucken, gehen!“ habe ich diese Gedanken gesammelt. Nicht als Anleitung und nicht als Überzeugungsarbeit, sondern als Einladung, den eigenen Standpunkt ernst zu nehmen und ihn im Alltag zu tragen. In den Wochenseminaren bekommt dieser Standpunkt Raum. Dort geht es nicht darum, etwas zu lernen, sondern darum, bei sich zu bleiben, auch wenn es unbequem wird. Wer beim Lesen dieses Textes gemerkt hat, dass Klarheit nicht laut sein muss, sondern standfest, findet dort einen Ort, an dem genau das weitergehen darf.
von Eckard Wulfmeyer 17. August 2025
Immer wenn du mit deinem Hund zusammen bist, gibt es nur diese beiden Rollen: Einer führt, einer folgt. Etwas anderes kommt im archaischen Weltbild des Hundes nicht vor. Es ist kein Konzept, über das er nachdenkt, kein philosophisches Gedankenspiel, es ist ein Urinstinkt. Ohne Führung geht es nicht, denn ohne Führung bricht das Rudel auseinander, verliert Sicherheit, Richtung und Struktur. Wenn du als Mensch nicht führen willst oder kannst, dann übernimmt das der Hund. Er macht das nicht aus Bosheit oder Rebellion, sondern weil er glaubt, dass es sonst niemand tut. In seinen Augen wäre das sonst ein lebensgefährlicher Zustand. Und wenn er führt, dann bist du automatisch derjenige, der folgt. Wenn der Hund führt: Chaos ist vorprogrammiert. Es war ein sonniger Nachmittag, und ich fuhr mit dem Fahrrad einen schmalen Waldweg entlang. Vor mir lief eine Frau mit ihrem Labrador. Zumindest theoretisch, praktisch lief der Labrador ganz vorne, die Leine straff wie ein Drahtseil. Man konnte richtig sehen, wie er die Entscheidungen traf: Hier mal schnuppern, dort rüberziehen, abrupt stehen bleiben, weil ein Schmetterling den Weg kreuzte. Die Frau lief hinterher, den Blick auf den Hund gerichtet, die Schultern leicht nach vorne geneigt. Jede Richtungsänderung kam von ihm. An einer Kreuzung bog er ohne Vorwarnung links ab, und sie stolperte fast hinterher. Der Hund hatte entschieden, und sie folgte. Das Spannende: Der Labrador war nicht „ungezogen“. Er führte einfach. Er füllte das Vakuum, das entstand, weil niemand sonst die Führung übernahm. Und aus seiner Sicht war das absolut richtig. Wenn der Mensch führt: Der Hund entspannt. Ein paar Tage später sah ich eine ähnliche Szene – nur mit umgekehrten Rollen. Ein Mann ging mit seiner Hündin auf einem belebten Feldweg. Die Leine hing locker durch, die Hündin trottete an seiner Seite, mal etwas vor, mal etwas zurück. Als ein anderer Hund auftauchte, hob der Mann nur kurz die Hand und machte einen kleinen Schritt nach links. Die Hündin sah zu ihm, passte ihre Position an, und beide gingen ruhig weiter. Keine Zerrerei, kein Bellen, keine Hektik. Man konnte sehen, wie der Hund sich auf seinen Menschen verließ. Er musste nicht entscheiden, ob Gefahr drohte oder ob man den anderen Hund begrüßen sollte. Die Entscheidung hatte längst jemand anderes getroffen. Das verbindende Prinzip Diese beiden Szenen zeigen denselben Mechanismus, nur in entgegengesetzter Richtung. Entweder übernimmt der Hund, oder der Mensch tut es. Führung heißt nicht, dass der Hund keinen Spaß haben darf oder immer „bei Fuß“ laufen muss. Es heißt, dass er weiß, wer die Richtung vorgibt, wer im Zweifel die Entscheidungen trifft und dass er sich darauf verlassen kann. Und genau hier liegt der Kern: Einer führt, einer folgt. Immer. Führung ist nichts, das man verhandelt oder verteilt. Sie entsteht dort, wo einer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und der andere sich daran orientieren kann. In meinem Buch „Der Pfoten-Pfad“ habe ich diesen Gedanken gesammelt. Nicht als Theorie und nicht als Methode, sondern als Wegbeschreibung für Menschen, die Führung weniger erklären und mehr verkörpern wollen. In den Wochenseminaren wird daraus gelebte Erfahrung. Dort zeigt sich, wie sich Führen und Folgen anfühlen, wenn Klarheit nicht eingefordert, sondern angeboten wird.  Wer beim Lesen dieses Textes gespürt hat, dass Führung nichts Trennendes hat, findet dort Raum, diesen Weg weiterzugehen.
von Eckard Wulfmeyer 10. Juli 2025
In unserer Gesellschaft hat sich die Definition von Führung gewandelt. Nicht mehr der autoritäre Chef mit erhobenem Zeigefinger gilt als Leitbild, sondern der Mensch, der Orientierung gibt, Klarheit lebt, Verantwortung übernimmt, und zugleich Freiräume lässt. Dieses Verständnis von Führung, neudeutsch: Leadership, lässt sich überraschend gut auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund übertragen. Viele Hundehalter sehnen sich nach Harmonie mit ihrem Hund ohne Druck, ohne Zwang. Gleichzeitig fürchten sie sich davor, „zu streng“ oder „zu fordernd“ zu wirken. Sie wollen lieber „auf Augenhöhe“ kommunizieren. Das ist grundsätzlich ein wertvoller Impuls, aber oft missverstanden. Denn wahre Führung hat nichts mit Kontrolle oder Konditionierung zu tun. Wahre Führung ist gelebte Klarheit. Führung beginnt mit dir selbst Ein guter Leader, ob in der Familie, im Unternehmen oder im Rudel, weiß, wofür er steht. Er kennt seine Werte. Er übernimmt Verantwortung. Und er trifft Entscheidungen, auch wenn sie nicht immer bequem sind. Übertragen auf den Hund bedeutet das: Der Mensch muss zuerst innerlich klar sein, um äußerlich Orientierung geben zu können. Ein Hund braucht einen „Chef“. Er braucht jemanden, der weiß, wo es langgeht und das ausstrahlt. Der nicht ständig fragt: „Was willst du?“ sondern sagt: „Ich weiß, was jetzt gut für uns beide ist.“ Führung heißt, die Richtung vorzugeben und nicht, alles zu kontrollieren Ein häufiger Irrtum: Wer führt, muss ständig Entscheidungen treffen, alles im Blick haben, jedes Verhalten seines Hundes kommentieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Gute Führung bedeutet, den Raum für Selbstwirksamkeit zu schaffen, ohne sich selbst aus der Verantwortung zu nehmen. Du entscheidest, wann dein Hund Verantwortung übernehmen darf, nicht er. Und du entscheidest auch, wann du sie wieder zurücknimmst. Das ist der Unterschied zwischen Freiheit und Führungslosigkeit. Führung ist kein Konzept, das man versteht und dann abhakt. Sie zeigt sich im Alltag, in Bewegung, in Begegnungen und in den Momenten, in denen es keine Anleitung mehr gibt. In meinen Büchern beschreibe ich diese Haltung in Worten: ruhig, beobachtend und ohne Technikgläubigkeit. In den Wochenseminaren wird daraus Erfahrung. Dort geht es nicht um Übungen, sondern um Präsenz, Klarheit und darum, Führung im eigenen Körper spürbar werden zu lassen. Wer merkt, dass ihn dieser Gedanke nicht loslässt, findet hier den nächsten Schritt.
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