Gedanken zum Pfoten-Pfad
Vom Kopfkino zur klaren Führung in drei Schritten
So trainierst Du Deine Präsenz in 3 Übungen
Im
letzten Beitrag haben wir über die große Täuschung gesprochen: dass Beziehungsarbeit keine Leckerli-Technik ist, sondern eine Frage Deiner inneren Haltung. Der Hund spiegelt Deine Ruhe oder Deine Anspannung. Aber wie trainierst Du diese Ruhe? Wie hörst Du auf, im entscheidenden Moment in die "Katastrophen-Kristallkugel" zu starren? Die Antwort kommt aus dem Spitzensport und dem Mental-Coaching.
Bereit für den Wechsel: Vom Wissen zum Können
Führung ist eine Identitätsfrage, kein Befehl. Es geht darum, das Gefühl von Ruhe in Deinem Körper zu verankern, anstatt sie nur nachzuahmen. Ich zeige Dir jetzt drei einfache und sofort umsetzbare Mentaltrainings-Übungen, die Du jederzeit und überall durchführen kannst. Sie wurden von Top-Athleten genutzt, um unter größtem Druck zu bestehen und sie funktionieren auch perfekt, um Deine Präsenz in der Hundebegegnung zu sichern.
Die 3 Schlüssel-Übungen für Deine mentale Stabilität:
1. Die Kugelschreiber-Übung: Der Beweis Deiner mentalen Macht
Diese Übung macht Dir sofort bewusst: Deine Gedanken sind körperliche Befehle.
- So geht’s: Nimm einen Kugelschreiber an einem Faden. Stütze Deinen Ellenbogen ab, lass den Stift frei über einer Tischplatte schweben.
- Der Fokus: Schließe die Augen. Visualisiere intensiv, wie der Kugelschreiber vor und zurück schwingt. Dann visualisiere eine Kreisbewegung.
- Der Effekt: Dein Körper wird dem Gedanken folgen. Der Stift bewegt sich. Du spürst am eigenen Leib: Deine Absicht wird unmittelbar zur körperlichen Realität. Das ist die Grundlage für jede klare Ansage an Deinen Hund:
Was ich denke, wird Realität.
2. Die Faust-Technik: Der Konzentrations-Anker für Notfälle
Wenn der Druck steigt (Begegnung, Lärm, Stress), brauchst Du einen physischen Auslöser, um sofort Klarheit herzustellen und das Stresslevel zu unterbrechen.
- So geht’s: Balle 15-mal für jeweils eine Sekunde die linke Hand fest zur Faust.
- Der Fokus: Konzentriere Dich auf das Loslassen und die Anspannung.
- Der Effekt: Dieser einfache Trick löst eine sofortige Entspannungswirkung aus (ein neurologischer Kniff). Du befreist Dein Nervensystem kurzzeitig vom unmittelbaren Druck und gewinnst jene Millisekunde der
Klarheit zurück, die Du brauchst, um die Führung zu übernehmen anstatt nur zu reagieren.
3. Der Innere Dialog: Vom Katastrophendepot zum Lösungsfinder
Ständiges Katastrophendenken ("Was, wenn er zieht?") ist Stress pur. Die größte Waffe dagegen ist ein trainierter rationaler Dialog.
- So geht’s: Sobald ein Problem oder eine Angst aufsteigt, stell Dir sofort die Frage: "Was ist das Gute daran?"
- Der Fokus: Es geht nicht ums Schönreden, sondern um einen Perspektivwechsel.
- Der Effekt: Die Frage unterbricht die Stressreaktion sofort und senkt das Stresslevel. Du wechselst den Fokus
vom Problem auf die Lösung oder die Lektion. Das schafft die innere Ruhe, die Dein Hund braucht, um Dir zu folgen.
Dein Fazit
Diese Übungen sind Dein mentales Training. Sie sind die "Muskeln" der Führung, die Du regelmäßig wiederholen musst, bis sie unter Druck funktionieren.
Hör auf, Dich nur auf die Techniken am Hund zu konzentrieren. Beginne jetzt mit der Arbeit an Dir selbst. Das ist der wahre Pfoten-Pfad zur entspannten Partnerschaft.
Klarheit entsteht selten im Kopf. Sie entsteht im Gehen, im Wahrnehmen, im Weglassen.
In meinem Buch „Vorne gucken, gehen!“ habe ich diese Gedanken gesammelt.
Nicht als Methode und nicht als Anleitung, sondern als Einladung, den Blick wieder nach vorn zu richten und Führung weniger zu denken, sondern mehr zu leben.
In den Wochenseminaren geht dieser Weg weiter. Dort wird aus dem inneren Bild eine körperliche Erfahrung. Es geht nicht um Schritte, die man richtig macht, sondern um eine Haltung, die trägt, auch dann, wenn es unübersichtlich wird.
Wer beim Lesen dieses Textes gemerkt hat, dass das Kopfkino leiser geworden ist, findet dort Raum, diese Klarheit weiter zu vertiefen.









