Gedanken zum Pfoten-Pfad
Drei Hunde bellen im Auto: drei völlig verschiedene Gründe
Warum Symptombekämpfung nicht funktioniert

Drei Hunde, ein Symptom, drei Ursachen:
In diesem Artikel erfährst du:
- Warum drei Hunde mit identischen Symptomen drei völlig unterschiedliche Ursachen haben
- Was eine Transportbox mit klassischer Konditionierung zu tun hat
- Wie eine selbsterfüllende Prophezeiung einen Hund zum Bellen bringt
- Warum ein Trauma im Menschen den Hund beeinflusst
- 5 Tests, die zeigen, ob du Symptome oder Ursachen behandelst
Drei Menschen fahren bei uns auf den Hof
Eines Tages fuhr Tanja bei uns auf den Hof, damit wir sie und ihren Hund kennenlernen durften. Schon auf dem langen Weg unsere Auffahrt entlang wurde klar, was zumindest einer der Gründe war, warum sie zu uns kam. Ihr Hund heulte, jaulte und kläffte unentwegt. Man konnte es hören durch die geschlossenen Türen und Fenster des fahrenden Fahrzeuges. An der Tonlage konnte man hören, dass es sich um einen kleineren Hund handeln musste. Erst als sie eingeparkt hatte, hörte das Jaulen, das Kläffen, das Bellen auf. Tanja stieg aus ihrem kleinen schwarzen Auto. Die hinteren Scheiben waren abgetönt, sodass man nur schlecht bei den vorherrschenden Lichtverhältnissen hineinsehen konnte.
Wir begrüßten uns. „Ja“, sagte sie zu mir, „du hörst schon, warum ich hier bin.“ „Ja“, antwortete ich, „das hört man offensichtlich.“ Und ihr zweiter Satz war folgender: „Eckard, du bist meine letzte Hoffnung. Ich habe jetzt schon vier Hundeschulen hinter mir. Keine konnte mir helfen.“
Ein paar Wochen später fuhr Sabrina mit ihrer Shelly, einem Hütehundmix mit langem, wuscheligen Fell, braun-schwarz in der Färbung, bei uns auf den Hof. Ich wusste bereits, dass es sich um ein Lautstärkeproblem in Zusammenhang mit ihrem Hund handelt. Am Telefon hatte Sabrina bereits erzählt, dass ihre Shelly nur sehr ungern Auto fahren würde. Nach wenigen Minuten Fahrt würde Shelly immer unruhiger. Sie würde anfangen zu zittern und zu fiepen. Dieses Fiepen würde sich von Kilometer zu Kilometer weiter steigern, bis es schlussendlich in einem Jaulen endet.
Wieder einige Wochen später fuhr Horst mit seinem Max bei uns auf den Hof. Ich konnte Max in dem Auto hören, als sie bereits unsere lange Auffahrt entlang fuhren. Und Max hörte mit seinem Jaulen und dem zwischenzeitlichen Bellen erst dann auf, als Horst den Motor seines Fahrzeuges, ein auf Langstrecken ausgelegter Kombi, abgestellt hatte. Max war ein großer, beigefarbener Labrador. Eine imposante Erscheinung. Mit einem sonnigen und geduldigen Gemüt ausgestattet, wie ich sehr schnell feststellen konnte.
Was diese drei Fälle gemeinsam hatten
Hier haben wir nun drei Fälle, bei denen das Verhalten der Hunde sich bis auf einige kleine Nuancen glich. Keiner der Hunde hatte Probleme ins Auto zu gehen. Solange das Fahrzeug stand, waren die Hunde ruhig. Wenn die Fahrt begann, steigerte sich bei allen drei Hunden allmählich die Aufregung, was zu einem Jaulen, Fiepen und später zu einem Bellen und Kläffen führte.
Alle drei Hunde waren körperlich gesund, so bestätigten mir die Hundehalter, und es wurden schon in verschiedenen Hundeschulen diverse Methoden durchprobiert, um dieses Verhalten zu ändern. Eine weitere Gemeinsamkeit war der Ort, in dem sich die Hunde in dem Fahrzeug aufhielten. Es war jeweils der Kofferraum eines Kombi-PKW. Keiner der Hunde wurde auf der Rückbank oder auf der Beifahrerseite gefahren.
Und nun, lieber Leser, kannst du dir ja mal Gedanken machen und dir überlegen, vor allem wenn du auch noch in irgendeiner Form Hundetrainer bist, wie du nun in einem solchen Fall vorgehen würdest. Was würdest du tun?
Geschichte 1: Tanja und Nils – Die Transportbox
Es herrschte leichtes Nieselwetter. Ich bat Tanja, das Auto zu öffnen und Nils zu nehmen, damit wir auf einen Platz gehen konnten, um dort wettergeschützt weiter zu reden. Sie öffnete das Auto und ich sah einen schwarz-braunen Mischlingshund, in der Größe zwischen einem Beagle und einem Jack Russell. Er saß in einer verschlossenen Transportbox, und über die Box war noch ein großes buntes Bettlaken gelegt. Dieses Bettlaken diente dazu, die Box zu verdunkeln.
Ich fragte sie, warum sie denn dieses große Bettlaken über der Box hätte. Sie erklärte mir, dass das so zum einen den Schall etwas dämpfen würde und zum anderen wäre er dann in den hohen Stimmbereichen nicht ganz so schrill in den Ohren zu vernehmen. Dann fragte ich sie, warum sie eine Transportbox für ihren Hund hat. Aus Sicherheitsgründen, und das hat man ihr in der Welpenschule schon empfohlen.
Nun, es war dem jungen Rüden, er war erst ein Jahr alt, schon anzusehen, dass ihm die Box nicht behagte. Denn selbst als die Heckklappe des Autos offen war, er still war und ich mit Tanja weiterredete, begann er nicht sich zu entspannen in der Box. Selbst nach ein paar Minuten zeigte er noch keine Entspannung in der Box. Er lag dort zwar auf der Seite, den Kopf auf dem Boden abgelegt, aber man konnte sehen, wie beide Hinterbeine noch angespannt waren, die Muskeln traten leicht hervor, die Krallen leicht angespannt.
Ich sprach sie auf die Box an. Sie berichtete mir, dass ihr das schon in der ersten Hundeschule empfohlen wurde, sich eine solche Transportbox anzuschaffen. Sie zeigte mir, wie in der dortigen Hundeschule es trainiert wurde, dass der Hund sich in der Box aufhält, sich daran gewöhnt und sich darin wohlfühlt.
In der zweiten Hundeschule, die sie besucht hat, wurde das Prozedere nochmals durchgeführt.
In der dritten Hundeschule wurde ihr wieder gesagt, dass sie eine Transportbox nehmen sollte. Sie sagte, sie hätte eine, und damit war dann der Hundetrainer zufrieden und es wurde sich um das eigentliche Problem nicht weiter gekümmert, sondern der Fokus wurde auf den Grundgehorsam gelegt. Der würde schon still werden, der Hund, wenn er älter wird.
In der vierten Hundeschule, in der Tanja war, wurde ihr ebenso empfohlen, eine Transportbox zu nehmen. Ja, sagte sie, die habe sie bereits. Und dann wurde versucht über verschiedene Formen der Konditionierung und der verschiedenen Verstärkungen und Bestärkungen den Hund dahin zu bringen, während der Fahrt im Auto still zu sein. Dies wurde versucht mit Lob, mit Futter, mit Leinenruck durch die kleinen Boxenöffnungen, mit Einwirken, mit Schimpfen, mit Meckern, mit Klatschen, mit Nassspritzen, sodass er danach aussah als hätte er geduscht. Sie zeigte mir ein Foto davon, mit Klapperboxen, die gegen die Gitter geschmissen wurden, mit ruhiger Stimme zu ihm sprechen, mit verschiedenen Düften von Duftölen, und, als die Trainer dann auch dort nicht mehr weiter wussten, mit einem Sprühhalsband. Es wurde also eine reine Symptombehandlung durchgeführt. Es wurden wieder einmal Fliegen gejagt, statt die Fäkalien zu entfernen. All das führte am Ende auch dazu, dass der Hund weiter im Auto jaulte und bellte, dass ihn all das nicht interessiert hat und sie jetzt bei mir stand und wir gemeinsam auf das Dilemma in ihrem Auto schauten.
Ich bat sie, erstmal den Hund dort in der Box zu lassen und mit mir alleine auf den Platz zu gehen. Dort redeten wir noch ein bisschen, tranken einen Kaffee, und sie berichtete mir noch, was sie sonst schon alles getan und gemacht hat. Sie hätte zwar noch das eine oder andere Problem mehr, zum Beispiel dass er etwas weniger an der Leine ziehen könnte und die anderen üblichen Dinge, weswegen Menschen zu uns kommen, doch dieses Jaulen und Bellen während der Autofahrt, das überragte alles.
Ich kann das auch sehr gut nachvollziehen. Man nimmt sich einen jungen Hund zu sich, bereitet sich gut vor, hat seine Wünsche, Bilder und Träume im Kopf vom Zusammenleben, freut sich darauf, den Hund überall mit hinzunehmen, und dann, dann wird genau das, worauf man sich gefreut hat, zur Tortur. Man nimmt sich professionelle Hilfe, aber egal was man macht, nichts verändert sich. Man gibt viel Geld für Hundetrainer aus, man opfert viel Freizeit, nimmt sich Urlaub, aber all das führt einen nicht weiter an das gewünschte Ziel.
Dabei wollte sie von ihrem Hund in dem Moment ja nun wirklich nicht viel. Sie wollte nur, dass er während der Fahrt still ist.
Sie erzählte mir weiter, wie sie den Hund zu sich genommen hat. Damals, der Hund war gerade etwas über acht Wochen, war das Fahren kein Problem. Sie hatte sich einen Fahrer organisiert. Der kleine Welpe verbrachte die Fahrt bei ihr auf einer Decke auf ihrem Schoß. Ein optimaler Start. Das war damals auch kein Problem, das Jaulen und Bellen fing erst einige Zeit später an, als er so vier bis fünf Monate war.
Tanja hatte auch eine Vermutung, warum er das Bellen und Jaulen anfing. Denn es war über knapp zwei Wochen so, dass sie ihn nur dann mitnehmen konnte, wenn es irgendwo hinging, wenn es für ihn hieß, hier ist Spielspaß und Toben angesagt. Und sie meinte, dass er dadurch verknüpft hätte, immer wenn sie Auto fahren, würde es zu genau so einer Spaß-, Spiel- und Toberunde gehen. Dies konnte ich allerdings schnell verneinen, denn er war in der Box bei der Ankunft angespannt, nicht aufgeregt. Es passte nicht zu dem Hund, den ich im Auto sah.
Wir gingen nochmal zurück zu dem Hund in der Box im Auto. Er hatte sich die ganze Zeit so weit still verhalten, außer einem kleinen Wimmern zwischendurch. Sie nahm ihn aus dem Auto heraus und wir gingen mit ihm zusammen auf den Hundeplatz. Dort angekommen machte er zunächst eine große Platzbesichtigung. Hier und da markierte er. Er war halt ein junger Rüde. Und dann, nach ungefähr drei bis vier Minuten, war er bei uns. Erst setzte er sich und kurze Zeit später legte er sich hin.
Ihm war Tanja also wichtig. Das heißt, dass also auch hier nicht die Ursache für das Verhalten im Auto zu finden war.
Ich ging abermals alles im Kopf durch, was ich an Informationen hatte. Wie Tanja aus dem Auto stieg, was das Auto mir über den Menschen sagte, Tanjas Art zu reden, sich zu bewegen. Und ich stolperte immer wieder darüber, dass der Hund in der Box nicht mal ansatzweise entspannt lag. Er hatte sich zwar auch in der Box hingelegt, während wir am Auto standen, aber er war nicht entspannt. Es war immer eine Anspannung in dem Hund zu sehen.
Ich fragte Tanja, ob wir die Box mal eben aus dem Auto nehmen könnten. Sie bejahte und meinte, dass dies ganz einfach sei. Gesagt, getan, wir bauten die Box aus dem Auto aus. Und dann bat ich Tanja, ihren Hund doch einfach dorthin in den Kofferraum zu setzen, wo vorher die Box war, und dann einfach mal loszufahren. Von uns in den Ort und zurück. Das sind so ungefähr 12 Kilometer.
Das tat sie. Und nach einiger Zeit kam sie zurück. Ich konnte schon hören, was sich verändert hatte. Denn der Hund war jetzt nicht mehr zu hören, wie noch vor ungefähr 30 Minuten, als Tanja zu uns auf den Hof fuhr. Sie parkte bei uns auf dem Hof ein, stieg aus und strahlte mich an. Sie sagte mir, dass der junge Rüde die ganze Zeit im Auto still gewesen sei. Er habe im Kofferraum gestanden und nach draußen geschaut, auf die Umgebung, die vorbeizog. „Gut“, sagte ich, „so soll das sein.“
Er war seitdem im Auto still.
Die Psychologie hinter Tanjas Fall: Klassische Konditionierung
Was hier vorgefallen war, lässt sich durch die klassische Konditionierung erklären, ein Konzept, das der russische Physiologe Iwan Pawlow bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Pawlow entdeckte in seinen berühmten Experimenten mit Hunden, dass diese nicht nur auf Futter mit Speichelfluss reagierten, sondern auch auf neutrale Reize, die wiederholt mit der Futtergabe verbunden wurden, etwa einen Glockenton. Das ist klassische Konditionierung: Ein ursprünglich neutraler Reiz wird durch wiederholte Paarung mit einem unbedingten Reiz zu einem konditionierten Reiz, der dieselbe Reaktion auslöst.
Bei Nils war die Transportbox zu einem konditionierten Stimulus geworden. Nicht weil die Box selbst etwas Schlimmes war, sondern weil sie mit einem unangenehmen Zustand verknüpft war: Eingesperrtsein, Enge, keine Kontrolle, keine Sicht nach draußen. Jedes Mal, wenn Nils in die Box musste und das Auto losfuhr, erlebte er Unbehagen. Dieses Unbehagen wurde mit der Zeit immer stärker, weil es sich aufbaute und verstärkte. Die Box selbst hatte kein Problem verursacht. Aber die Assoziation war da. Box = Autofahrt = Unbehagen = Jaulen. Das ist klassische Konditionierung in Reinform.
Das Interessante an diesem Fall ist, dass vier Hundeschulen versucht hatten, das Symptom, das Bellen, zu bekämpfen. Niemand hatte gefragt: Warum bellt der Hund? Was ist die Ursache? Stattdessen wurde versucht, den Hund durch verschiedene Methoden zum Schweigen zu bringen. Lob, Futter, Strafe, Ablenkung, Sprühhalsbänder. Alles Symptombekämpfung.
Die Lösung war simpel: Box raus, Hund rein, Problem gelöst. Weil die Ursache beseitigt wurde, nicht das Symptom.
Man könnte auch von operanter Konditionierung sprechen, einem Konzept, das B.F. Skinner entwickelte und das auf Konsequenzen von Verhalten basiert. Aber in diesem Fall war die operante Konditionierung, die in den Hundeschulen versucht wurde, zum Scheitern verurteilt, weil sie das falsche Problem bekämpfte. Man versuchte, ein Symptom zu verändern, ohne die Ursache zu beseitigen. Das ist, als würde man versuchen, einen Feueralarm zum Schweigen zu bringen, während das Haus brennt.

Geschichte 2: Sabrina und Shelly: Die selbsterfüllende Prophezeiung
Sabrina und ich begrüßten uns. Sie war farbenfroh gekleidet und trug eine Weste. Eine Weste, wie sie nur Hundehalter tragen. Mit vielen Fächern, Taschen und auf dem Rücken eine Schlaufe, damit man das Zergel unterbringen kann. Dann konnte ich bereits sehen, was sie mir kurz darauf im Gespräch bestätigte: dass sie schon in einigen anderen Hundeschulen war. Sie war dort auch sehr zufrieden und glücklich, hatte viel erreicht. Doch leider war niemand in der Lage, ihr im Kontext der Geräuschkulisse ihrer Shelly im Auto weiterzuhelfen. Deswegen hatte sie die weite Fahrt aus dem Sauerland hierher auf sich genommen. Sie hoffte, dass wir die Ursache finden würden.
Ich bat Sabrina, ihre Shelly aus dem Auto zu nehmen und mit mir gemeinsam auf den Hundeplatz zu gehen. Dort konnte Shelly dann erst mal nach der langen Fahrt etwas laufen und wir etwas reden. Während Sabrina ihren Shelly aus dem Auto rief, warf ich schnell einen Blick durchs Fahrzeug. Was mir auffiel, waren einige verschiedene CDs von Madonna, offensichtlich mochte sie ihre Musik.
Sie rief in aller Ruhe ihre Shelly aus dem Fahrzeug und wir drei gingen gemeinsam ruhig und geordnet auf den Platz. Bei einer Tasse Kaffee begann ich mit Sabrina zu erzählen, während ihre Shelly über den Platz lief. Auf dem Hundeplatz gibt es natürlich immer viel zu riechen. Und gerade bei dem Wetter, es hatte einige Tage nicht geregnet, waren besonders viele Düfte von anderen Hunden, die in den letzten Tagen hier auf dem Platz liefen.
In dem Gespräch wiederholte Sabrina nur das, was ich schon wusste. Ich fand keinen weiteren Anhaltspunkt. So fing ich an, etwas zu raten, hier und da einfach mal was zu fragen, um darüber neue Informationen, neue Erkenntnisse zu bekommen. Doch das gelang mir nicht. Dann fragte ich sie danach, wie denn so ein typischer Tagesablauf von ihr und Shelly aussehen würde. Sie berichtete mir davon, doch auch dort fand ich keinen Anhaltspunkt für das Verhalten ihrer Shelly. Sie hatte sich mittlerweile zu uns begeben und es sich neben Sabrina bequem gemacht. Sie lag auf ihrer Seite, fast komplett in der Sonne, mit geschlossenen Augen und genoss offensichtlich die wärmende Sonne auf ihrem Fell. Ich sprach mit Sabrina noch über dies oder das, auch darüber, was sie zuvor in den anderen Hundeschulen bereits gemacht haben. Sie erzählte von dem vielen Geld, was sie dort gelassen habe, aber ihr Hund nicht ruhiger wurde während der Fahrt. Doch auch dort bekam ich keinen Anhaltspunkt.
Ich beschloss, mir von der ganzen Aktion ein entsprechendes Bild zu machen. So bat ich Sabrina, Shelly zu nehmen, sie wieder ins Auto zu führen und mit mir zusammen eine Runde im Auto zu drehen. Wir fuhren los. Was mir sehr schnell auffiel, das war der häufige Blick von Sabrina in den Rückspiegel. Und mit der Zeit begann Shelly immer unruhiger zu werden. Ihre Ohren klappten sich ab und wir konnten erstes Winseln vernehmen. Wir waren erst zwei, drei Kilometer gefahren, doch Shelly wurde immer lauter und der Blick von Sabrina in den Rückspiegel immer häufiger. Ich hatte den Eindruck einer Wechselwirkung. Je mehr sich Shelly unruhig verhielt, umso mehr schaute Sabrina in den Rückspiegel. Mittlerweile fingen auch ihre Finger an, am Lenkrad zu tippen. Ein Zeichen von Unruhe in Sabrina. Und wenn sie zwischenzeitlich zu mir sprach, wurde ihre Stimme immer ein Stückchen heller. Ob von ihrer eigenen Aufregung oder weil sie vom Verhalten ihrer Shelly genervt war, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ergründen. Aber für mich war die Wechselwirkung der beiden offensichtlich.
Ich bat Sabrina wieder zurück zu fahren. Dort angekommen bat ich Sabrina, ihr Fahrzeug fahren zu dürfen und zwar ohne sie, aber mit Shelly. Ich wollte schauen, ob es nun am Hund oder an Sabrina liegt. Wer von beiden der Auslöser ist. Und dazu benötigte ich eine Referenz. Und diese konnte ich am einfachsten dadurch bekommen, dass ich in dem gewohnten Fahrzeug mit Shelly, aber ohne Sabrina fuhr.
Ich fuhr los. Die gleiche Runde, die Sabrina gefahren ist. Und Shelly war die gesamte Fahrt über ruhig. Sie lag im Kofferraum. Entspannt. Manchmal konnte ich die Spitzen ihrer Ohren sehen. Das war auch schon alles, was ich von ihr vernahm. Damit war eines klar und stand fest: Die Wechselwirkung der beiden wurde von Sabrina initiiert. Ob ich richtig lag mit meiner Annahme, musste die folgende Fahrt zeigen.
Wieder zurück, berichtete ich Sabrina nichts von dem Ergebnis, sondern stieg aus dem Fahrzeug aus, sagte zu ihr, dass sie bitte einsteigen und die gleiche Runde fahren möchte wie eben. Ich setzte mich dazu wieder auf den Beifahrersitz.
Wir fuhren los. Sie parkte das Fahrzeug dazu rückwärts auf unseren Hof aus. Dabei schaute sie natürlich auch in den Rückspiegel, doch ich konnte anhand ihrer Augen sehen, dass sie jetzt schon auf Shelly schaute. Wir waren noch nicht vom Hof runter, fingen ihre Finger wieder an, am Lenkrad zu tippen. Die 100 Meter der Auffahrt hat sie zweimal in den Rückspiegel nach Shelly geschaut. Und es dauerte keine weiteren 500 Meter, da hatte die Shelly wieder eine Lautstärke erreicht, die mächtig und unangenehm war.
Damit war die Bestätigung da, es lag an Sabrina. Sabrina trug in sich die Erwartung, dass Shelly gleich etwas machen würde. Sie trug in sich die Erwartung, dass Shelly alles andere als ruhig und ausgelassen dort im Auto liegen würde während der Fahrt. Und jedes Mal, wenn Shelly dann noch anfing, sich durch Unruhe oder durch eine entsprechende Geräuschkulisse bemerkbar zu machen, fühlte sich Sabrina bestätigt. Sabrina war hier gefangen in einem Teufelskreis der selbsterfüllenden Prophezeiung. Ihre Erwartung rief das Verhalten von Shelly hervor.
Wir fuhren weiter. Nicht die gleiche Runde wie zuvor. Ich bat sie, ihr Radio anzumachen und eine CD von Madonna zu spielen. Es war noch eine im CD-Player, sodass wir sofort Madonna hörten. Daneben lag die leere CD-Hülle und ich las mir die Lieder durch, die auf der CD waren. Zu meinem Glück kannte ich eines davon: Like a Virgin.
Ich kannte es von einer anderen Frau aus Hessen, die mal bei mir war, weil sie Probleme mit Hundebegegnungen hatte. Sie hatte Angst davor, dass ihr Hund mit anderen Hunden eskalierte. Damals fingen wir an, genau dieses Lied zu singen, weil es ihr Lieblingslied war, und wir konnten ihr so helfen, Hundebegegnungen mit ihrem Hund gefahrlos für alle Beteiligten zu überstehen.
Ich stellte am CD-Player von Sabrina im Fahrzeug dieses Lied ein. Es startete. Ich bat Sabrina, dass wir beide jetzt mitsingen werden. Ich kann gar nicht beschreiben, wie verdutzt ihre Augen mich ansahen. Wie überrascht sie war. Sie hatte sicherlich mit vielem gerechnet, sie wusste ja auch schon im Vorfeld, dass unsere Vorgehensweise nicht die üblichen Methoden enthält. Aber in ihrer Vorstellung kam wohl ein gemeinsames Singen mit Madonna nicht vor. Aber das machte nichts. Wir beide stimmten mit ein und sangen kräftig mit. Dieses Singen sorgte dafür, dass Sabrina sich soweit entspannte, auch während der Fahrt, dass nach nicht mal der Hälfte des Liedes Shelly still hinten im Kofferraum saß. Nach dem Ende des Songs legte Shelly sich entspannt hin.
Rätsel gelöst, Ursache gefunden. In knapp einer Stunde.
Die nächsten zwei Wochen hängte sich Sabrina eine Unterhose über den inneren Rückspiegel, um nicht unbewusst wieder in ihr altes Verhaltensmuster zu fallen und dort nach Shelly zu schauen. Sie hatte ja noch die zwei Außenspiegel. Desweiteren konditionierte ich Sabrina darauf, dass, wenn immer Shelly bellte, sie augenblicklich an Madonnas Like a Virgin dachte.

Die Psychologie hinter Sabrinas Fall: Die selbsterfüllende Prophezeiung
Was bei Sabrina und Shelly passierte, ist ein Paradebeispiel für eine selbsterfüllende Prophezeiung, auch bekannt als Rosenthal-Effekt oder Pygmalion-Effekt. Dieses psychologische Phänomen wurde bereits 1948 vom Soziologen Robert K. Merton beschrieben und später durch Robert Rosenthal in einer berühmten Studie an Grundschulen nachgewiesen.
Rosenthal und seine Kollegin Lenore Jacobson führten 1968 ein Experiment durch, bei dem sie Lehrern mitteilten, dass bestimmte zufällig ausgewählte Schüler besonders intelligent seien und in Zukunft hervorragende Leistungen zeigen würden. Am Ende des Schuljahres hatten sich genau diese Schüler tatsächlich stark verbessert, nicht weil sie intelligenter waren, sondern weil die Lehrer unbewusst anders mit ihnen umgingen.
Merton beschrieb den Mechanismus so: „Die selbsterfüllende Prophezeiung ist anfänglich eine falsche Bestimmung der Situation, sie verursacht aber ein neues Verhalten, das bewirkt, dass die ursprünglich falsche Auffassung richtig wird.“
Das Gleiche geschah bei Sabrina. Sie erwartete, dass Shelly bellen würde. Diese Erwartung veränderte ihr Verhalten: Sie schaute häufig in den Rückspiegel, ihre Finger tippten nervös am Lenkrad, ihre Stimme wurde höher. All das waren Signale von Anspannung und Nervosität. Und Shelly, die diese Signale spürte, reagierte darauf mit Unruhe.
Der Mechanismus läuft so ab:
Schritt 1: Sabrina hat eine Erwartung („Shelly wird bellen“).
Schritt 2: Diese Erwartung verändert Sabrinas Verhalten (Anspannung, häufiger Blick nach hinten, nervöses Tippen).
Schritt 3: Shelly nimmt Sabrinas Anspannung wahr und wird selbst unruhig.
Schritt 4: Shelly bellt, was Sabrinas Erwartung bestätigt („Siehst du, sie bellt immer!“).
Schritt 5: Die Erwartung wird verstärkt und der Kreislauf beginnt von vorne.
Das ist der Teufelskreis der selbsterfüllenden Prophezeiung. Sabrina erzeugte durch ihre Erwartung genau das Verhalten, das sie befürchtete.
Die Lösung war simpel: Sabrina mit etwas beschäftigen, das ihre Aufmerksamkeit vollständig bindet. Madonna singen. Das verhinderte, dass sie in den Rückspiegel schaute. Es verhinderte, dass sie nervös wurde. Und ohne ihre Anspannung hatte Shelly keinen Grund, unruhig zu werden.
Die Unterhose über dem Rückspiegel? Ein physischer Reminder, um nicht in alte Muster zurückzufallen. Und die Konditionierung auf „Like a Virgin“? Eine mentale Ablenkung, die Sabrina entspannt, sobald Shelly auch nur ansatzweise unruhig wird.
Horst und Max: Das Trauma
Wie ich seinem Auftreten, seiner Kleidung und seiner Wortwahl entnehmen konnte, war Horst im Bereich Verkauf tätig. Später erzählte er mir, dass er im Außendienst sei. Sein Max wäre 5 Jahre und er zeige dieses Verhalten seit ungefähr vier bis fünf Monaten im Auto. Max sei ansonsten ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Bellen wäre sonst gar nicht so sein Ding.
Auch wenn andere auf den Hof kommen würden, so würde er sich höchstens zu einem „Wuff“ hinreißen lassen, aber zu mehr nicht. Auch im stehenden Auto sei Max absolut ruhig. Meistens würde er sich dort im Auto hinlegen und warten, bis Horst wiederkommt, so schilderte Horst mir.
Doch sobald der Motor anging und er einige Meter gefahren war, ging es mit einem Jaulen los, das sich von Kilometer zu Kilometer immer mehr steigern würde, bis zu einem Bellen. Horst sagte mir noch, dass er in diesem Zusammenhang froh sei, dass er nur einen Weg von 20 Kilometern bis zu mir hätte. Die Lautstärke im Auto wäre sonst nicht zu ertragen. Er habe es schon mit Kopfhörern versucht, aber dann fühle er sich beim Fahren nicht mehr so sicher. Das Lauterdrehen der Musik während der Fahrt erwies sich ebenso als nicht zweckmäßig.
Ich bat Horst, die Heckklappe an seinem Fahrzeug zu öffnen. Horst öffnete sie, und als Max den Ansatz versuchte herauszuspringen, ermahnte Horst ihn, im Auto zu bleiben. Max folgte dem ansatzlos. „Das funktioniert nicht immer so“, kommentierte Horst diese Situation. „Manchmal springt er dennoch auch mal heraus. Aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit meinem Max. Er ist ein braver, toller Hund.“
Ich ging zu dem Fahrzeug, ich begrüßte Max. Ich streichelte ihn ein wenig am Hals und am Kopf. Ich kraulte ihn an seiner Brust. Max war sehr freundlich mir gegenüber, sehr aufgeschlossen. Horst leinte ihn an und wir gingen gemeinsam auf den Hundeplatz.
Ich machte uns einen Kaffee und wir redeten ein wenig. Horst berichtete mir von seinem Arbeitsleben, dass er 50 bis 70.000 Kilometer im Jahr fahren würde, von dem Tagesablauf mit Max, den er meistens mitnehmen konnte. Er erzählte mir, wie er Max als Welpen zu sich genommen hatte und wie Max es ihm einfach gemacht hatte, mit ihm zusammenzuleben.
Ich fragte Horst, ob er eine Idee hätte, was die Ursache für das Bellen von Max im Auto wäre. Er verneinte. Er hatte sich schon so viele Stunden den Kopf darüber zerbrochen. Er kam zu keinem Ergebnis. Er hatte schon mit so vielen verschiedenen Menschen, Hundehaltern und Experten darüber gesprochen, doch auch dort hatte keiner die richtige Idee.
Ich fragte ihn, was dort gemacht worden wäre, und er berichtete mir davon. Zusammenfassend kann man sagen, dass dort Symptome versucht wurden zu bekämpfen, aber niemand der Ursache auf den Grund gegangen ist. Und wenn doch, dann nicht mal halbherzig. Das sollte sich nun ändern. Deswegen war er bei mir. Und ich wollte das ebenfalls. Machen wir uns nichts vor: Ein Hund, der bei jeder Fahrt bellt und nicht aufhört, da leidet die Lebensqualität. Man wird genervt, reizbar. Der Hund muss öfters zu Hause bleiben. Da leidet dann auch die Lebensqualität von Max.
Ich bat ihn, einige Übungen mit Max zu machen. Einfache Übungen, damit ich ein Bild von den beiden bekommen konnte. Etwas an der Leine laufen, ein wenig ohne Leine laufen, Rückruf, eine Zeit an beliebiger Stelle liegenbleiben. Aber alles kein Problem. Während dieser einfachen Übungen machte ich nebenbei noch einige Vertrauensabfragen. Auch hier zeigte Max nichts Besonderes. Die Beziehung zwischen den beiden war sehr stabil, das war offensichtlich, und sie basierte auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt. Es war ein schönes Gefühl, die beiden zusammenzusehen, wie sie liefen, wie sie zusammen agierten. Es hatte viel von Harmonie. Damit war klar, dass ich in dieser Richtung nicht weiter nach einer Ursache für das Verhalten von Max im Auto während der Fahrt suchen brauchte.
Ich entschloss mich, das ganze Szenario zu beobachten, wenn wir fahren. Gesagt, getan. Horst setzte sich ans Steuer, ich auf den Beifahrersitz und Max saß hinten drin. Wir fuhren los. Und nach einiger Zeit fing dann Max an zu jaulen. Erst leise, aber Stück für Stück immer lauter und immer lauter. Bis aus dem Jaulen ein Bellen wurde. Und dann bellte der Max. Er bellte und bellte und bellte. „Das macht er jetzt, bis wir wieder anhalten“, erklärte mir Horst. Und er sollte Recht behalten. Nach ungefähr 6 Kilometern bat ich Horst zu stoppen. Und prompt hörte Max auf zu bellen.
Und mir fiel etwas auf. Ich bat Horst, wieder loszufahren, weiter die Straße entlang. Es herrschte wenig Verkehr. Er fuhr los und mit Max begann das gleiche Spiel. Erst ein leichtes leises Jaulen, das lauter und lauter wurde. Und dann wurde das Jaulen schließlich zu einem Bellen. Und Max bellte und bellte und bellte. Ich bat Horst wieder, an einer Haltestelle rechts ran zu fahren, um dort zu stoppen. Kein Problem, denn ein Bus war nicht in Sicht. Horst stoppte und sofort war Max wieder ruhig. Ich bat Horst wieder zurückzufahren, zu uns. Horst fuhr los und das Szenario mit Max wiederholte sich sofort. Erst das Jaulen, das stärker und lauter wurde, dann das Bellen. Bei uns angekommen folgte die sofortige Stille von Max. Wir blieben noch im Auto sitzen. Mir fiel während der Fahrt auf, dass die Lockerheit, die Gelöstheit, die Horst ansonsten in Zusammenhang mit Max an den Tag legte, sofort beim Fahren weg war. Sie wich einer Anspannung.
Aber diese Anspannung hatte nichts mit Max zu tun. Hätte sie mit Max zu tun gehabt, dann hätte er während der Fahrt viel mehr auf Max geachtet, als er tat. Aber er achtete konzentriert auf den Verkehr. Und auch das Reden während der Fahrt mit mir beschränkte sich eher auf ein Minimum, im Vergleich zu dem, wie ich ihn auf unserem Hundeplatz kennengelernt hatte.
Ich machte Horst darauf aufmerksam. Horst wich aus. Das ist so ein Moment, da muss ich mich dann entscheiden: Konfrontiere ich mein Gegenüber direkt mit dem, was ich gerade an ihm gesehen, beobachtet habe, oder versuche ich das es diplomatisch hintenrum? Das ist immer ein schwieriger Moment, denn beide Varianten haben entscheidende Vorteile und entscheidende Nachteile. Und man weiß vorher nie, welche die bessere Variante ist.
Das ist einer der wenigen Momente, in denen ich mich auf meine Intuition und meine Empathie mehr verlasse als auf meine reine Beobachtungsgabe. Und ich entschloss mich, ihn direkt mit meinen Beobachtungen zu konfrontieren.
Ich sagte ihm, was ich gesehen hatte: seine Anspannung während der Fahrt, die Knöchel der Hand, die weiß hervortraten, weil er so sehr seine Hände ums Lenkrad verkrampfte. Und ich sagte ihm, dass das einen Grund haben musste. Und dieser Grund sei keine Lappalie. Es musste ihm etwas widerfahren sein, vermutlich sogar während der Fahrt, dass nun dafür sorgte, dass der ansonsten lockere Horst auf einmal im Auto ein ganz anderer Horst wurde, zu einem mit sehr viel Anspannung. Und diese Anspannung sei es sehr wahrscheinlich, die dafür sorgte, dass sein Max ihn nicht mehr verstehen konnte und deswegen ein solches Verhalten an den Tag legen würde.
Horst sackte nach meinen Worten in sich zusammen. Gut, dass er noch gesessen hatte. Und er fing an zu weinen. Und dann erzählte er mir davon, dass er vor fast einem Jahr nur mit sehr viel Glück einen sehr schweren Unfall körperlich fast unversehrt überlebt hatte. Und dieser Unfall würde ihn heute noch verfolgen. Es vergeht fast kein Kilometer, an dem er nicht in irgendeiner Form irgendetwas in Zusammenhang mit diesem Unfall fühlen, sehen, vermuten würde oder sonst was. Dieser Unfall würde ihn entsprechend belasten.
Und damit hatten wir dann auch wohl die Ursache gefunden, so meine Vermutung. Nun mussten wir noch einen Weg finden, diese Ursache zu beheben. Mit anderen Worten: Wir mussten Horst seinen Spaß am Autofahren wiedergeben. Denn wie er mir vorher auf dem Hundeplatz berichtet hatte, war einer der Gründe, warum er im Außendienst arbeiten würde, sein Spaß am Autofahren. Er hatte es jahrelang geliebt, die großen Limousinen, die für lange Strecken gebaut sind, zu fahren. Bis eben zu diesem Unfall.
Er hatte sich damals an einem herbstlichen Abend in der Dämmerung auf der Autobahn bei hoher Geschwindigkeit gedreht, dabei wie ein Ping-Pong-Ball zwischen den Leitplanken hin und her geflogen. Sein Auto war danach Schrott, aber er fast unversehrt, außer ein paar blauen Flecken und ein paar leichten Schürfungen.
Ich überlegte mir einen Weg, den wir gehen konnten, um herauszufinden, ob das die Ursache für das Verhalten von Max war. Ich traf mich am nächsten Tag mit Horst wieder zur nächsten Stunde. Auf meine Anweisung hin blieb Max bei der Ankunft gleich im Auto sitzen. Ich setzte mich zu ihm in sein Fahrzeug auf den Beifahrersitz. Ich zeigte ihm einige Entspannungsübungen und die machten wir zusammen. Und dann fuhren wir los. Ich sah schon nach wenigen hundert Metern, dass diese Übungen nicht den gewünschten Erfolg hatten, und bat Horst, an der Seite wieder anzuhalten. Ich machte noch einige entspannende Atemübungen mit ihm, aber andere als zuvor. Auch ich musste mich jetzt herantasten, was bei Horst funktionierte, worauf er reagierte und worauf nicht. Nach ungefähr 20 Minuten fuhren wir wieder los. Sofort war ihm anzumerken, dass er nun beim Fahren lockerer und entspannter war. Seine Hände hingen nun entspannt in den Speichen des Lenkrades. Seine Schultern waren nicht mehr hochgezogen, sondern hingen lässig nach vorne. Seine Mundwinkel zogen sich leicht nach oben. Er hatte Spaß. Spaß am Fahren. Und Max? Max blieb still.
Wir fuhren auf einer gut ausgebauten Straße. Sie führte weit geradeaus. Man konnte sie gut einsehen. Und Horst gab mit seinem Auto Gas. Man merkte ihm an, dass er gerade wieder begann, Freude am Fahren zu haben. Wir fuhren wieder zu uns zurück. Max war die ganze Zeit still hinten im Auto geblieben. Er hechelte zwar, aber er war still.
Ich stieg aus dem Fahrzeug und bat Horst, den ganzen Weg nochmals zu fahren und wenn er zurück sei, mir zu berichten, wie es denn nun gewesen war. Das tat er. Nach gut zehn Minuten fuhr er wieder bei uns auf den Hof. Er stieg aus und strahlte mich an. Er ging zu mir, streckte seine Hand aus, um mir zu danken, und berichtete, dass Max die ganze Zeit still gewesen sei.
Er fuhr nach Hause, und kaum dort angekommen, rief er mich an, um mir mitzuteilen, dass Max auf den ganzen Weg zurück zu ihm nach Hause kein Mucks von sich gegeben habe. Max hätte sich sogar hingelegt und Horst hätte das Gefühl gehabt, dass Max ein wenig geschlafen hätte.
Damit war die Ursache gefunden. Wir haben noch einige weitere Stunden damit verbracht, die Entspannungsübungen für die Autofahrt zu vertiefen. Nach einigen Wochen bekam ich die Nachricht von Horst, dass Max seit seinem Besuch bei uns im Auto nie wieder auch nur einen Mucks von sich gegeben hätte. Sogar auf seine Dienstreisen könne Max nun wieder mit.
Die Psychologie hinter Horsts Fall: Trauma im Körper
Was bei Horst und Max passierte, ist ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie Trauma im Körper gespeichert wird und wie es das Nervensystem beeinflusst. Der niederländische Psychiater Bessel van der Kolk hat in seinem bahnbrechenden Buch „The Body Keeps the Score“ genau dieses Phänomen beschrieben: Trauma lebt im Körper, nicht nur im Kopf.
Van der Kolk zeigt auf, dass traumatische Erlebnisse nicht wie normale Erinnerungen im Hippocampus gespeichert werden, sondern im limbischen System und im Hirnstamm, den ältesten Teilen unseres Gehirns. Diese Bereiche sind für Überlebensreaktionen zuständig und arbeiten unterhalb der bewussten Kontrolle.
Horsts Unfall war ein traumatisches Ereignis. Sein Körper hatte in diesem Moment eine Überlebensreaktion aktiviert: Kampf, Flucht oder Erstarrung. Aber in einem Auto, das zwischen Leitplanken hin und her geschleudert wird, gibt es keine Möglichkeit zu kämpfen oder zu fliehen. Die Energie, die für diese Reaktionen mobilisiert wurde, blieb im Nervensystem stecken.
Stephen Porges, ein Neurowissenschaftler, hat mit seiner Polyvagal-Theorie erklärt, wie das autonome Nervensystem auf Bedrohung reagiert. Er beschreibt drei Zustände:
Der ventrale Vagus-Zustand: Hier fühlen wir uns sicher, verbunden, sozial engagiert. Unser Gesicht ist entspannt, unsere Stimme hat natürlichen Rhythmus.
Der sympathische Zustand: Das ist die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Der Körper mobilisiert für Action, überflutet uns mit Adrenalin und Cortisol.
Der dorsale Vagus-Zustand: Das ist der Shutdown, die Erstarrung. Wenn weder Kampf noch Flucht möglich ist, schaltet der Körper auf Immobilität.
Bei Horst war das Problem, dass sein Nervensystem beim Autofahren automatisch in den sympathischen Zustand schaltete, auch wenn objektiv keine Gefahr bestand. Seine Hände verkrampften sich ums Lenkrad, seine Schultern zogen sich hoch, seine Aufmerksamkeit war hyperfokussiert auf den Verkehr. All das waren Zeichen von autonomer Übererregung.
Und Max spürte das. Hunde sind Meister darin, autonome Zustände bei Menschen zu lesen. Max spürte Horsts Anspannung und reagierte darauf mit eigenem Stress. Das Bellen war Max' Art zu sagen: „Hier stimmt etwas nicht. Ich fühle mich nicht sicher.“
Peter Levine, ein weiterer Pionier der Traumaarbeit, beschreibt in seinem Konzept des „Somatic Experiencing“, dass Trauma entsteht, wenn eine Überlebensreaktion nicht zu Ende gebracht werden kann. Die Energie bleibt im Nervensystem stecken und zeigt sich in Symptomen wie Übererregung, Hypervigilanz, Anspannung.
Die Lösung für Horst war nicht, über den Unfall zu reden. Die Lösung war, seinem Nervensystem zu helfen, wieder in einen Zustand der Sicherheit zu kommen. Das geschah durch körperbasierte Atemübungen. Diese Übungen aktivierten den ventralen Vagus, den Teil des Nervensystems, der für Entspannung und soziales Engagement zuständig ist.
Als Horst entspannt war, war auch Max entspannt. Das ist die Macht des Traumas und die Macht der Heilung. Trauma lebt im Körper. Und Heilung auch.
Der entscheidende Unterschied: Symptome oder Ursachen?
An diesen drei Beispielen kann man ausgezeichnet sehen, wie sehr es sich lohnt, die Ursachen für ein Verhalten zu suchen und nicht nur Symptome zu bekämpfen. Die Fäkalien zu entfernen und nicht nur die Fliegen zu jagen.
Alle drei Hunde zeigten dasselbe Symptom: Sie bellten im fahrenden Auto. Aber die Ursachen waren völlig unterschiedlich:
Bei Tanja und Nils: Die Ursache war eine klassische Konditionierung. Die Transportbox war zum konditionierten Stimulus für Unbehagen geworden. Die Lösung: Box entfernen.
Bei Sabrina und Shelly: Die Ursache war eine selbsterfüllende Prophezeiung. Sabrinas Erwartung, dass Shelly bellen würde, erzeugte die Anspannung, die Shelly zum Bellen brachte. Die Lösung: Sabrinas Aufmerksamkeit binden, damit sie nicht nervös wird.
Bei Horst und Max: Die Ursache war ein unverarbeitetes Trauma in Horsts Nervensystem. Seine Übererregung beim Fahren übertrug sich auf Max. Die Lösung: Horsts Nervensystem regulieren.
Drei identische Symptome. Drei völlig unterschiedliche Ursachen. Drei völlig unterschiedliche Lösungen.
Und hier liegt der Kern des Problems mit Symptombekämpfung: Wenn du nur das Symptom bekämpfst, kannst du das Problem nicht lösen. Es ist, als würdest du versuchen, einen Feueralarm zum Schweigen zu bringen, während das Haus brennt.
Alle drei Hundehalter waren schon in mehreren Hundeschulen gewesen. Überall wurde versucht, das Bellen zu bekämpfen. Mit Lob, mit Futter, mit Strafe, mit Ablenkung, mit Konditionierung. Aber niemand hatte gefragt: Warum bellt der Hund? Was ist die wirkliche Ursache?
Die Antwort auf diese Frage ist nie dieselbe. Weil jeder Hund und jeder Mensch unterschiedlich ist. Weil jede Situation ihre eigene Geschichte hat.
Was wir daraus lernen können
Diese drei Geschichten lehren uns etwas Fundamentales über die Arbeit mit Hunden und Menschen:
Erstens: Das Verhalten des Hundes ist fast immer eine Reaktion auf etwas. Nicht eine Eigenschaft des Hundes, sondern eine Antwort auf einen Zustand, eine Situation, eine Verknüpfung.
Zweitens: Die Ursache liegt oft nicht dort, wo wir zuerst suchen. Bei Tanja lag sie in einem Gegenstand (der Box). Bei Sabrina lag sie in ihrer Erwartung. Bei Horst lag sie in einem Ereignis, das fast ein Jahr zurücklag.
Drittens: Die Lösung ist oft erstaunlich einfach, sobald die Ursache gefunden ist. Box raus. Madonna singen. Atemübungen machen. Keine komplizierten Trainingspläne, keine monatelangen Programme, keine endlosen Wiederholungen.
Viertens: Symptombekämpfung ist nicht nur ineffektiv, sie ist auch frustrierend für alle Beteiligten. Die Menschen geben Geld aus, opfern Zeit, verlieren Hoffnung. Die Hunde werden mit Methoden konfrontiert, die ihnen nicht helfen, sie in ein straffes Korsett stecken mit einem Etikett daran. Und am Ende steht jeder da und denkt: „Es funktioniert nicht.“
Aber es funktioniert nicht, weil die falschen Fragen gestellt werden. Nicht „Wie bringe ich den Hund zum Schweigen?“, sondern „Warum bellt der Hund?“
Das ist der Unterschied zwischen Fliegen jagen und Fäkalien entfernen.

Die 5 Selbsttests: Behandelst du Symptome oder Ursachen?
Jetzt kommt der unbequeme Teil. Finde heraus, ob du Symptome bekämpfst oder Ursachen beseitigst. Mache diese Tests ehrlich.
Test 1: Fragst du "Wie" oder "Warum"?
Der Test: Wenn dein Hund ein Verhalten zeigt, das du ändern möchtest, was ist deine erste Frage?
Symptombekämpfung: "Wie bringe ich den Hund dazu, das zu stoppen?" "Wie konditioniere ich das weg?" "Welche Methode funktioniert dagegen?"
Ursachenforschung: "Warum zeigt der Hund dieses Verhalten?" "Was ist der Auslöser?" "Welchen Zustand spiegelt dieses Verhalten?"
Warum das wichtig ist: Die Frage, die du stellst, bestimmt die Antwort, die du bekommst. "Wie"-Fragen führen zu Methoden. "Warum"-Fragen führen zu Verständnis.
Was das mit dem Seminar zu tun hat: In unseren Seminaren lernt du, die richtigen Fragen zu stellen. Nicht "Wie bringe ich meinen Hund dazu, an der Leine zu laufen?", sondern "Warum zieht mein Hund an der Leine?"
Test 2: Probierst du viele Methoden oder suchst du eine Ursache?
Der Test: Wie gehst du vor, wenn eine Methode nicht funktioniert?
Symptombekämpfung: Du probierst die nächste Methode. Und noch eine. Und noch eine. Du wechselst Hundeschulen, kaufst neue Hilfsmittel, versuchst andere Techniken. Aber die Ursache suchst du nicht.
Ursachenforschung: Du hältst inne und fragst dich: "Warum funktioniert das nicht?" Du gehst einen Schritt zurück und suchst nach der wirklichen Ursache, bevor du weitermachst.
Warum das wichtig ist: Viele Methoden auszuprobieren ist nicht falsch, solange du dabei lernst. Aber wenn du ständig neue Methoden probierst, ohne zu verstehen, warum die alten nicht funktioniert haben, jagst du Fliegen.
Was das mit dem Seminar zu tun hat: Im Seminar helfen wir dir, die Ursache zu finden. Nicht die zehnte Methode zu lernen, sondern zu verstehen, warum die ersten neun nicht funktioniert haben.
Test 3: Konzentrierst du dich auf den Hund oder auf dich selbst?
Der Test: Wenn etwas mit deinem Hund nicht funktioniert, wo suchst du die Ursache? Beim Hund oder bei dir?
Symptombekämpfung: "Der Hund ist stur." "Der Hund will nicht." "Der Hund ist schwierig." Die Ursache liegt immer beim Hund, nie bei dir.
Ursachenforschung: "Was mache ich, das dieses Verhalten auslöst?" "Welche meiner Erwartungen erzeugen Druck?" "Bin ich selbst angespannt?"
Warum das wichtig ist: In den meisten Fällen liegt die Ursache nicht im Hund, sondern im System Mensch-Hund. Sabrina war die Ursache, nicht Shelly. Horst war die Ursache, nicht Max. Tanjas Box war die Ursache, nicht Nils.
Was das mit dem Seminar zu tun hat: Wir arbeiten mit dir, nicht nur mit deinem Hund. Weil du der Schlüssel zur Veränderung bist.
Test 4: Wie schnell erwartest du Ergebnisse?
Der Test: Wenn du eine neue Methode ausprobierst, wie lange gibst du ihr Zeit?
Symptombekämpfung: "Das muss sofort funktionieren." Wenn es nach einer Woche nicht klappt, probierst du etwas Neues. Du willst schnelle Lösungen für das Symptom.
Ursachenforschung: Du verstehst, dass echte Veränderung Zeit braucht. Nicht weil die Methode langsam ist, sondern weil Verhalten aus Ursachen entsteht, die Zeit brauchen, um sich zu verändern.
Warum das wichtig ist: Symptombekämpfung verspricht schnelle Lösungen. Ursachenforschung verspricht dauerhafte Veränderung. Das eine geht schnell und hält nicht. Das andere dauert und hält.
Was das mit dem Seminar zu tun hat: Manchmal lösen wir Probleme in einer Stunde, wie bei Sabrina. Manchmal braucht es mehrere Wochen, wie bei Horst. Aber wenn die Ursache beseitigt ist, ist das Problem dauerhaft gelöst.
Test 5: Verstehst du, was du tust, oder folgst du Anweisungen?
Der Test: Wenn du eine Übung mit deinem Hund machst, verstehst du, warum du sie machst? Oder machst du sie, weil jemand gesagt hat, dass du sie machen sollst?
Symptombekämpfung: "Der Trainer hat gesagt, ich soll das so machen." Du folgst Anweisungen, ohne zu verstehen, warum. Wenn es nicht funktioniert, denkst du: "Ich mache es wohl falsch."
Ursachenforschung: Du verstehst, warum eine Übung funktioniert. Du siehst den Zusammenhang zwischen Ursache und Lösung. Wenn es nicht funktioniert, kannst du anpassen, weil du das Prinzip verstehst.
Warum das wichtig ist: Anweisungen befolgen macht dich abhängig. Verstehen macht dich frei. Mit Verständnis kannst du in jeder Situation reagieren, nicht nur in denen, für die du Anweisungen hast.
Was das mit dem Seminar zu tun hat: Wir geben dir keine Anweisungen. Wir zeigen dir, wie Hunde und Menschen funktionieren. Sodass du selbst verstehst und selbst entscheiden kannst.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist es nicht manchmal notwendig, Symptome zu bekämpfen?
Ja, in akuten Situationen kann Symptombekämpfung notwendig sein. Wenn dein Hund gerade einen anderen Hund angreift, musst du sofort reagieren. Aber das löst nicht das Problem, es verhindert nur Schlimmeres. Die Ursachenforschung kommt danach.
Wie lange dauert es, die Ursache zu finden?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei Tanja fand ich die Ursache in 30 Minuten. Bei Sabrina in einer Stunde. Bei Horst dauerte es länger, weil er erst bereit sein musste, über den Unfall zu sprechen. Manchmal ist die Ursache offensichtlich, manchmal verborgen. In den meisten Fällen bei unseren Wochenseminaren sind es 20 bis 30 Minuten.
Was ist, wenn ich die Ursache nicht finden kann?
Dann brauchst du jemanden, der mit frischem Blick auf die Situation schaut. Oft sind wir so nah dran, dass wir den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ein Außenstehender erkennt Muster, die dir entgehen.
Funktioniert Ursachenforschung bei jedem Hund?
Ja. Weil jedes Verhalten eine Ursache hat. Bei Menschen und Hunden. Aber die Ursache ist nicht bei jedem Hund und Mensch dieselbe. Drei Hunde, ein Symptom, drei Ursachen. Das ist kein Zufall, das ist die Regel.
Ist Ursachenforschung nicht zu kompliziert für den Alltag?
Nein. Im Gegenteil. Symptombekämpfung ist kompliziert, weil sie nicht funktioniert. Du probierst Methode nach Methode, investierst Zeit und Geld, und nichts ändert sich. Ursachenforschung ist einfach, sobald du die Ursache gefunden hast. Box raus. Madonna singen. Atemübungen machen. Das ist nicht kompliziert.
Was ist, wenn die Ursache in der Vergangenheit liegt und ich sie nicht ändern kann?
Die Ursache selbst musst du nicht ändern. Horst konnte den Unfall nicht ungeschehen machen. Aber er konnte lernen, damit umzugehen. Er konnte sein Nervensystem regulieren. Die Vergangenheit ist fix, aber deine Reaktion darauf ist veränderbar.
Brauche ich professionelle Hilfe für Ursachenforschung?
Nicht immer. Manchmal ist die Ursache offensichtlich, wenn du nur hinschaust. Aber oft hilft ein zweites Paar Augen. Jemand, der nicht emotional involviert ist. Jemand, der Erfahrung hat, Muster zu erkennen.
Wie unterscheidet sich Eure Arbeit von anderen Hundeschulen?
Wir jagen keine Fliegen. Wir entfernen Fäkalien. Wir fragen nicht "Wie bringe ich den Hund zum entspannten Laufen an der Leine?", sondern "Warum zieht er?" Und wir arbeiten mit dem ganzen System: Mensch und Hund, nicht nur Hund.
Warum du Begleitung brauchst
Die Geschichten von Tanja, Sabrina und Horst zeigen eines sehr deutlich: Alle drei waren schon in mehreren Hundeschulen gewesen. Alle drei hatten Geld investiert, Zeit geopfert, verschiedene Methoden ausprobiert. Aber niemand hatte die Ursache gefunden. Nicht weil die Trainer schlecht waren. Sondern weil Symptombekämpfung die Standard-Herangehensweise in den meisten Hundeschulen ist. Man lernt Methoden, nicht Ursachenforschung. Man lernt "Wie", nicht "Warum". Als Hundetrainer lernt man Konditionierung, aber keine Verhaltensanalyse.
Deshalb gibt es unsere Seminare
In unseren Wochenseminaren arbeiten wir anders. Wir fragen nicht zuerst "Wie", sondern "Warum". Wir schauen nicht nur auf den Hund, sondern auf dich. Auf deine Erwartungen, deine Anspannung, deine Verknüpfungen.
Am ersten Tag sind die 20 Alaskan Huskys dabei. Die zeigen dir sofort, wenn du zweifelst, wenn du unsicher bist, wenn du angespannt bist. Und sie zeigen dir auch, wenn du klar bist, wenn du präsent bist, wenn du vertraust.
Danach arbeiten wir mit dir und deinem Hund dort, wo das Leben passiert. Im Wald, in der Stadt, im Restaurant. Wir suchen die Ursachen, nicht die Symptome. Wir entfernen die Fäkalien, nicht die Fliegen.
Der Unterschied ist klar: Blog bedeutet, du verstehst die Theorie. Seminar bedeutet, du findest deine Ursachen. Nicht theoretisch, sondern praktisch und mit direktem Feedback.
➔ Mehr über unsere Wochenseminare
Die Begegnungen-Reihe: Geschichten von Ursachenforschung
Solche Geschichten wie die von Tanja, Sabrina und Horst habe ich in meinen Büchern aus der Begegnungen-Reihe dargestellt. Dort beschreibe ich echte Begegnungen mit Menschen und Hunden, bei denen wir die Ursache gefunden haben statt nur das Symptom zu bekämpfen.
In der Begegnungen-Reihe findest du viele weitere Geschichten. Geschichten, die zeigen, wie unterschiedlich die Ursachen sein können, obwohl die Symptome gleich aussehen. Geschichten, die zeigen, dass es sich lohnt, tiefer zu graben.
Die Bücher eignen sich perfekt zum Lesen zwischendurch. Jede Geschichte ist in sich abgeschlossen, du kannst aufschlagen, wo du willst. Perfekt für abends auf der Couch oder unterwegs.
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"Vorne gucken, gehen!" – Das Buch über Ursachen statt Symptome
In meinem Buch "Vorne gucken, gehen!" beschreibe ich ausführlich, warum Ursachenforschung der einzige Weg ist, der wirklich funktioniert. Wie du lernst, die richtigen Fragen zu stellen. Wie du Muster erkennst, die dir vorher entgangen sind.
Das Buch zeigt dir den Weg von der Symptombekämpfung zur Ursachenforschung. Mit konkreten Beispielen, mit praktischen Übungen, mit echten Geschichten.
Wenn dich dieser Artikel angesprochen hat, ist "Vorne gucken, gehen!" der nächste logische Schritt. Dort findest du die Philosophie hinter allem, was ich hier beschrieben habe.
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Zusammenfassung in 5 Punkten (TL;DR)
Drei Hunde bellten im Auto. Alle zeigten dieselben Symptome. Aber die Ursachen waren völlig unterschiedlich: Eine Transportbox (Konditionierung), eine Erwartung (selbsterfüllende Prophezeiung), ein Trauma (Nervensystem-Dysregulation).
Symptombekämpfung fragt "Wie bringe ich den Hund zum Schweigen?" Ursachenforschung fragt "Warum bellt der Hund?" Die Frage, die du stellst, bestimmt die Antwort, die du bekommst.
Die Lösungen waren einfach, sobald die Ursache gefunden war: Box raus, Madonna singen, Atemübungen machen. Keine komplizierten Trainingspläne, sondern direkte Ursachenbeseitigung.
Alle drei Hundehalter waren schon in mehreren Hundeschulen gewesen. Überall wurde das Symptom bekämpft, niemand hatte die Ursache gesucht. Das ist das Problem mit Standard-Methoden: Sie behandeln Symptome, nicht Ursachen.
Fäkalien entfernen statt Fliegen jagen. Das ist der Kern von Ursachenforschung. Es dauert vielleicht länger, die Ursache zu finden. Aber wenn du sie gefunden hast, ist das Problem dauerhaft gelöst.
Fazit: Die Fliegen oder die Fäkalien?
Die drei Geschichten von Tanja, Sabrina und Horst zeigen eines sehr deutlich: Es gibt keine Standard-Lösung für Verhalten. Weil Verhalten keine Standard-Ursache hat.
Drei Hunde. Ein Symptom. Drei Ursachen.
Wenn du nur das Symptom siehst, wirst du immer dieselbe Methode anwenden. Und sie wird bei zwei von drei Hunden nicht funktionieren. Weil die Ursache eine andere ist.
Aber wenn du die Ursache suchst, findest du für jeden Hund die richtige Lösung. Nicht weil du mehr Methoden kennst, sondern weil du besser verstehst.
Merke dir: Symptombekämpfung ist wie Fliegen jagen. Du kannst den ganzen Tag Fliegen jagen und am nächsten Tag sind wieder welche da. Ursachenforschung ist wie Fäkalien entfernen. Du machst es einmal richtig und die Fliegen kommen nicht wieder.
Die Frage ist nicht, welche Methode funktioniert. Die Frage ist, was die Ursache ist.
Und die Antwort auf diese Frage ist bei jedem Hund anders.
Wissenschaftliche Quellen:
- Iwan Pawlow (Klassische Konditionierung)
- B.F. Skinner (Operante Konditionierung)
- Robert Rosenthal & Lenore Jacobson (Pygmalion-Effekt)
- Robert K. Merton (Selbsterfüllende Prophezeiung)
- Bessel van der Kolk (Trauma im Körper)
- Stephen Porges (Polyvagal-Theorie)
- Peter Levine (Somatic Experiencing)
Hier geht es zur Übersicht aller Artikel in diesem Blog:
https://www.pfoten-pfad.de/blog
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