Gedanken zum Pfoten-Pfad

Übergewicht: Dein Hund ist zu dick und du siehst es nicht.

Lisa Pannenberg • 9. Juli 2026

Von Lisa Pannenberg • Datum: 11.06.26


Lesedauer: 10 Minuten


In diesem Artikel erfährst du:

  • - Warum mehr als die Hälfte aller Hunde zu schwer ist
  • - Wie du Übergewicht an deinem Hund erkennst, auch ohne Waage
  • - Warum viele Halter nicht mehr wissen, was ihr Hund täglich wirklich frisst
  • - Was Übergewicht mit der Psychologie des Menschen zu tun hat
  • - Wie du mit Bewegung und Futter dauerhaft etwas veränderst
  • - 5 Tests, ob dein Hund wirklich das richtige Gewicht hat


Fast dreiviertel aller Hunde auf dem Pfoten-Pfad sind zu schwer


Ich bin Lisa Pannenberg, ich bin Hundetrainerin auf dem Pfoten-Pfad in Stinstedt. Bevor ich diese Tätigkeit in Angriff nahm, beschäftigte ich mich seit langem intensiv mit der Ernährung von Hunden, exakter, als die meisten Hundehalter es jemals brauchen. Der Grund dafür sind meine Alaskan Huskys. Sie laufen im Winter Rennen über mehrere hundert Kilometer durch Schnee und Eis, durch Nächte und Kälte, durch Gelände, das Menschen zu Fuß zur Herausforderung wird. Diese Leistung ist nur möglich, wenn ihre Ernährung stimmt. Ein Fehler in der Zusammensetzung, eine falsche Menge, ein schlechtes Futter und der Körper eines Schlittenhundes bricht unter der Belastung zusammen, lange bevor das Ziel erreicht ist.


Ich bringe dieses Wissen in alle Einheiten hier auf dem Pfoten-Pfad mit ein.


Bei fast der Hälfte aller Hunde, die mit ihren Besitzerinnen und Besitzern zu uns kommen, muss ich früher oder später sagen: "Dein Hund hat zu viel Gewicht." Manchmal sage ich es beim ersten Blick, manchmal erst nach dem ersten gemeinsamen Spaziergang, wenn ich sehe, wie der Hund schon nach zwanzig Minuten keuchend hinter seinen Menschen hertrottet. Und fast immer folgt dann dasselbe Gespräch. Auf immer dieselben Sätze folgt immer dieselbe Überraschung.


"Wirklich? Er sieht doch gar nicht so aus."


"Er ist halt ein etwas fülliger Typ."


"Aber er bekommt doch gar nicht so viel."


"Er passt sich halt seinem Frauchen an."


Ich höre diese Sätze so oft, dass ich sie auswendig kenne. Das eigentlich Erschreckende daran: Diese Sätze kommen aus echter Überzeugung.


Die Association for Pet Obesity Prevention stellt seit Jahren in umfangreichen Studien fest, dass in den westlichen Industrieländern zwischen 52 und 60 Prozent aller Hunde übergewichtig sind. Zahlen aus Deutschland zeigen ein ähnliches Bild. In einer Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde festgestellt, dass rund jeder zweite Hund, der in eine Tierarztpraxis kommt, ein zu hohes Körpergewicht mitbringt.


Das ist nicht mehr ein Randphänomen, sondern ein Massenphänomen. Und gleichzeitig ist es eines der am meisten unterschätzten Gesundheitsprobleme in der Hundehaltung.


Was Übergewicht im Körper anrichtet


Übergewicht beim Hund ist keine Frage der Optik, es ist eine ernste medizinische Angelegenheit.


Richard Kealy und sein Forschungsteam veröffentlichten 2002 in einer Langzeitstudie mit Labradoren ein Ergebnis, das die Tiermedizin nachhaltig prägte: Hunde, die dauerhaft mit einem leicht kalorienreduzierten Futter ernährt wurden und damit ihr ideales Körpergewicht behielten, lebten im Durchschnitt fast zwei Jahre länger als ihre übergewichtigen Wurfgeschwister. Zwei Jahre. Das entspricht bei einem Hund einem erheblichen Anteil der gesamten Lebenszeit.


Ebenso zeigten die schlanken Hunde signifikant später erste Anzeichen von Gelenkerkrankungen, litten seltener an Arthrose und entwickelten weniger häufig Diabetes mellitus.


Die Zusammenhänge zwischen Übergewicht und chronischen Erkrankungen sind in der Tiermedizin gut belegt: Überschüssiges Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und produziert Entzündungsbotenstoffe, sogenannte Zytokine, die dauerhaft im Körper zirkulieren. Diese chronische Niedriggradientzündung belastet Gelenke, Herz und Immunsystem gleichermaßen. Knie, Hüfte und Wirbelsäule tragen das Mehrgewicht bei jeder Bewegung, bei jedem Sprung, bei jedem Treppensteigen.


Dazu kommt ein Teufelskreis, den ich bei meinen Schlittenhunden unter keinen Umständen riskieren kann: Übergewichtige Hunde bewegen sich weniger, weil Bewegung ihnen schwerer fällt. Weniger Bewegung führt zu weiterem Gewichtsanstieg. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt, bis er kaum mehr aufzubrechen ist.


Warum du es nicht siehst und warum das vollkommen menschlich ist


Hier liegt die eigentliche Herausforderung, und sie hat viel weniger mit dem Hund zu tun als mit uns Menschen.


Der Psychologe Daniel Kahneman beschreibt den sogenannten Bestätigungsfehler: Menschen neigen dazu, Informationen so wahrzunehmen, dass sie ihre bestehenden Überzeugungen bestätigen. Was nicht ins Bild passt, wird ausgeblendet oder umgedeutet.


Du liebst deinen Hund, versorgst ihn gut und gibst ihm Futter, Leckerli, und Aufmerksamkeit. Das Bild, das du von dir als Hundehalterin hast, ist das einer fürsorglichen Person. Ein übergewichtiger Hund würde dieses Bild stören, also siehst du keinen übergewichtigen Hund. Du siehst einen "gemütlichen" Hund, einen "typischen Labrador", einen Hund "mit breitem Knochenbau". Das ist der Bestätigungsfehler.


Hinzu kommt, dass Gewichtsveränderungen langsam geschehen. Wer jeden Tag mit seinem Hund zusammen ist, bemerkt nicht, dass dieser in drei Jahren vier Kilogramm zugenommen hat. Die Veränderung ist zu schleichend, um ihn bewusst wahrzunehmen.


Und schließlich gibt es den sozialen Vergleich: Wenn die Hälfte aller Hunde übergewichtig ist, dann ist der übergewichtige Hund die Norm. Ein Hund mit Idealgewicht wirkt auf einem Hundeplatz fast mager, weil alle anderen zu schwer sind. Wenn ich mal mit einigen meiner Huskys in einem Ort unterwegs bin, sagen mir Leute desöfteren, dass ich meine Hunde besser ernähren sollte, die wären ja regelrecht dürr. Selbst Geld für Hundefutter wollte man mir schon zustecken mit den Worten: "Damit die mal satt werden und zulegen!" So sehr hat sich das Bild vom Hund in unserer Gesellschaft in den letzten 2 bis 3 Jahrzehnten verändert.


Der unsichtbare Kalorienberg: Was dein Hund wirklich frisst


Dieses Gespräch führe ich beim Pfoten-Pfad so regelmäßig, dass ich es fast im Schlaf kenne.


Ich frage: "Was bekommt Ihr Hund täglich zu fressen?" Die Antwort kommt prompt und selbstsicher: "Sein normales Futter morgens und abends, und ein paar Leckerli beim Training." Und dann beginnt das eigentliche Gespräch.


"Geben Sie ihm manchmal etwas von Ihrem Essen?"


"Ja, aber wirklich nur manchmal. Wenn ich Kuchen esse, dann kann er ja auch ein kleines Stück haben. Das ist doch nichts. Aber das gibt ihm immer mein Mann, weil der so niedlich schaut, es gerne mag und sich darüber so freut."


"Und zum Frühstück?"


"Die Leberwurst. Er wartet regelrecht darauf. Er sitzt dann schon neben mir am Tisch und schaut mich so an. Er freut sich so darüber, und ein kleiner Finger voll ist ja wirklich wenig. Dann geht er immer zu meinem Mann, denn der liebt es, den Hund zu verwöhnen."


"Und wenn Sie mal keine Leberwurst da haben?"


"Dann bekommt er eben etwas Nutella. Das mag er ja auch so gerne. Er leckt immer den Löffel ab, wenn ich fertig bin. Vom Joghurt übrigens auch."


"Und die Kinder?"


Kurze Pause. "Die geben ihm manchmal auch etwas. Aber wirklich nur einen kleinen Rest. Einen halben Keks, eine Ecke Waffel. Das ist doch keine Menge."


"Und das Medikament letzte Woche?"


"Oh, das habe ich in Käse eingewickelt. Geht ja anders nicht."


"Und die Trainerin in der Hundeschule?"


"Die hat auch Leckerli dabei, ja. Aber das zählt ja als Training, das ist anders."


Ich schreibe das alles auf und zeige es der Person. Und dann sehen wir gemeinsam, was sich summiert hat: Tagesration, ein Stück Kuchen, Leberwurst zweimal, Nutella vom Löffel, zwei Kinderkekse, eine Waffelecke, drei Scheiben Käse für das Medikament, zwei Hände voll Leckerli beim Training, gestern Abend noch der Rest Hackfleisch aus der Pfanne, der sonst weggeworfen worden wäre.


Manchmal kommt dann noch dazu: der Nachbar, der ihn regelmäßig begrüßt und immer etwas dabei hat. Die Kollegin, die im Büro Hundekekse im Schreibtisch aufbewahrt. Das Stück Brot beim Spaziergang, das jemand aus dem Rucksack geholt hat. Der Schluck Milch aus dem Glas des Kindes, weil der Hund so charmant gebettelt hat. Die Hühnersuppe, die am Sonntagmittag übrig geblieben ist und an der er den Rest des Tages genippt hat.


Eine Studie der Universität Liverpool aus dem Jahr 2014 untersuchte das Fütterungsverhalten von Hundehaltern und stellte fest, dass über 70 Prozent der Befragten die tatsächliche Kalorienmenge, die ihr Hund täglich aufnahm, erheblich unterschätzten. Der Hauptgrund war nicht die Hauptmahlzeit, sondern die Summe der scheinbar unbedeutenden Extras.


Genau das erlebe ich bei fast jedem Gespräch beim Pfoten-Pfad. Jedes einzelne dieser Extras erscheint harmlos. In der Summe werden sie zum Problem.


Und dahinter steckt etwas sehr Menschliches, das ich gut verstehe: Füttern ist Zuneigung. Wenn der Hund ein Stück Kuchen nimmt und zufrieden kaut, wenn er den Löffel ableckt und dann aufschaut, gibt es eine unmittelbare, warme Reaktion. Das Geben macht Freude. Das Zusehen macht Freude, es fühlt sich nach Gemeinschaft an, nach Nähe, nach Fürsorge.


Das Problem ist, dass diese Währung falsch ist. Kalorien sind kein Liebesbeweis. Ein Hund, der durch Futterbegrenzung und ausreichend Bewegung versorgt wird, ist genauso geliebt, nur besser versorgt.


Wie du Übergewicht erkennst: Der Body Condition Score


Der zuverlässigste Weg, das Körpergewicht eines Hundes zu beurteilen, ist der Body Condition Score, kurz BCS. Dieses System wurde 1997 von der Tierärztin und Ernährungswissenschaftlerin Dorothy Laflamme entwickelt und ist heute der internationale Standard in der veterinärmedizinischen Ernährungsbeurteilung.


Der BCS bewertet das Körperfett auf einer Skala von 1 bis 9, wobei 4 bis 5 bei einem Haushund dem Idealgewicht entsprechen. Meine Huskys werden vor jedem Langstreckenrennen von Tierärzten untersucht. Dabei wird auch der BCS festgestellt. Meine Huskys in dem Rennteam haben immer einen BCS von 3,5 bis 4,5.


Rippen ertasten: Lege beide Hände auf den Brustkorb deines Hundes und bewege sie sanft über die Rippen. Bei einem Hund mit Idealgewicht solltest du die Rippen deutlich spüren können, ohne sie zu sehen. Kannst du sie weder sehen noch ertasten, ohne Druck auszuüben, ist das ein eindeutiges Zeichen für Übergewicht.


Taille von oben: Schau von oben auf deinen Hund. Hinter dem Brustkorb sollte eine deutliche Einschnürung sichtbar sein. Ein Hund ohne sichtbare Taille oder mit einer breiter werdenden Linie vom Brustkorb zur Hüfte ist zu schwer.


Bauchlinie von der Seite: Schau von der Seite auf deinen Hund. Der Bauch sollte vom Brustkorb zur Leiste hin erkennbar nach oben verlaufen. Ein hängender oder horizontaler Bauch ist ein Warnsignal.


Wirbelsäule ertasten: Taste die Wirbelsäule entlang. Die einzelnen Wirbel sollten tastbar sein. Liegt eine deutliche Fettschicht darüber, die das Ertasten erschwert, liegt das Gewicht zu hoch.


Diese vier Punkte ergeben zusammen ein klares Bild, unabhängig von Rasse, Größe oder Typ des Hundes.


Wenn du Hilfe bei der Beurteilung benötigst, hier habe ich ein Angebot für dich: Lisas Angebote


Übergewicht und Psyche: ein Zusammenhang, den viele unterschätzen


Als Hundetrainerin auf dem Pfoten-Pfad beschäftige ich mich täglich mit den Zusammenhängen zwischen dem psychischen Zustand des Menschen und der Gesundheit des Hundes. Beim Thema Übergewicht begegnet mir dieser Zusammenhang auf eine Weise, die ich anfangs selbst unterschätzt habe.


Übergewichtige Hunde haben vielfach übergewichtige oder bewegungsarme Halter. Das ist eine Wahrnehmung, die die Forschung widerspiegelt. Eine Studie der Michigan State University aus dem Jahr 2019 zeigte, dass Aktivitätsniveau, Gewicht und Ernährungsverhalten von Hundehaltern und ihren Hunden stark korrelieren.


Was ich am Pfoten-Pfad zusätzlich beobachte: Menschen, die unter Stress stehen, trösten ihren Hund mit Futter, weil sie selbst gerade wenig Zeit oder Energie für ausgedehnte Spaziergänge haben. Menschen, die sich über das Verhalten ihres Hundes ärgern, geben ihm ein Leckerli als Entschuldigung. Menschen, die tagsüber arbeiten und abends ein schlechtes Gewissen haben, gleichen das mit Extras beim Abendbrot aus.


Der Hund frisst, das schlechte Gewissen wird leiser: ein Mechanismus, der sich wiederholt, bis niemand mehr weiß, wie er angefangen hat.


Was du konkret tun kannst


1. Bestandsaufnahme machen


Führe drei Tage lang wirklich Buch über alles, was dein Hund frisst: Hauptmahlzeit, Leckerli, Extras, Reste, zufällige Happen. Schreibe es auf. Viele Halter sind überrascht, wenn sie dieses Protokoll zum ersten Mal vor sich sehen.


2. Die tägliche Kalorienmenge berechnen


Der tatsächliche Energiebedarf eines Hundes hängt von Gewicht, Alter, Kastrationsstatus und Aktivitätsniveau ab. Dein Tierarzt oder eine Tierernährungsberaterin kann dir helfen, diesen Wert zu berechnen.


3. Leckerli einrechnen, nicht draufgeben


Wenn du mit Leckerli arbeitest, rechne sie in die Tagesration ein. Nimm einen Teil des täglichen Futters und nutze ihn als Trainingsbelohnung. So bleibt die Gesamtmenge konstant, ohne dass du auf diese positive Verstärkung verzichten musst.


4. Hochwertiges Futter wählen


Die Qualität des Futters ist entscheidend, und das weiß ich aus meiner Arbeit mit Schlittenhunden genau. Ein Hund, der hunderte Kilometer läuft, verträgt kein billiges Futter mit hohem Getreideanteil und wenig Fleisch. Schlechtes Futter liefert leere Kalorien, sättigt schlecht und führt dazu, dass der Körper des Hundes nach mehr verlangt, weil er trotz hoher Kalorienzufuhr unterversorgt bleibt.


Für Familienhunde gilt dasselbe Prinzip. Hochwertiges Futter mit einem hohen Fleischanteil und ohne unnötige Füllstoffe sättigt besser und vereinfacht es, die richtige Menge zu finden.


Ich habe zwei Ratgeber zusammengestellt, die dir den Einstieg in eine bessere Fütterung leicht machen:


Trockenfutter – praktisch, beliebt" ist ein PDF-Ratgeber speziell für Einsteiger in das natürliche Füttern mit Trockenfutter. Er erklärt, worauf du bei der Auswahl achten musst, welche Inhaltsstoffe du meiden solltest und wie du den Wechsel zu besserer Qualität praktisch umsetzt.


Zum Ratgeber "Trockenfutter – praktisch, beliebt"


"Rohfütterung – natürlich, einfach, gut" führt dich in die Welt der Rohfütterung ein, erklärt die Grundprinzipien und zeigt, wie du einfach und sicher damit anfangen kannst, ohne dich in Details zu verlieren.


Zum Ratgeber "Rohfütterung – natürlich, einfach, gut"


5. Bewegung systematisch erhöhen


Mehr Bewegung allein löst das Gewichtsproblem nicht, aber sie ist ein unverzichtbarer Teil der Lösung. Und sie tut nicht nur dem Körper gut, sondern auch der Beziehung zwischen Mensch und Hund.


Eine der effektivsten und gelenkschonendsten Bewegungsformen für übergewichtige Hunde ist das Laufen neben dem Fahrrad. In derselben Zeit legen Mensch und Hund die zwei- bis dreifache Distanz eines normalen Spaziergangs zurück, bei gleichmäßigem Tempo und ohne den Verschleiß, den intensives Rennen mit sich bringt. Der Hund bestimmt dabei sein Tempo mit, und der Körper wird gleichmäßig belastet statt stoßweise. Auch dazu habe ich ein Angebot für dich: Mit dem Hund Rad fahren in 30 Minuten.


Aus der Arbeit mit meinen Huskys weiß ich, was gleichmäßige Ausdauerbelastung für einen Hundekörper leistet: Sie stärkt das Herz-Kreislauf-System, schont die Gelenke und baut Fett ab, ohne Muskeln zu verlieren. Genau das braucht ein übergewichtiger Hund.


Wie du deinen Hund sicher ans Fahrrad gewöhnst, welche Ausrüstung du brauchst und warum selbst zögerliche Hunde nach wenigen Minuten mit Begeisterung laufen, hat Eckard Wulfmeyer in einem eigenen Artikel ausführlich beschrieben:


Wie fahre ich mit meinem Hund Fahrrad?


Die 5 Tests: Hat dein Hund wirklich das richtige Gewicht?


Test 1: Der Rippentest


Der Test: Lege beide Hände flach auf den Brustkorb deines Hundes. Kannst du die Rippen ohne Druck deutlich ertasten?


Übergewicht: Du musst spürbaren Druck ausüben, um die Rippen zu fühlen, oder kannst sie gar nicht ertasten.


Idealgewicht: Die Rippen sind mit leichtem Druck gut tastbar, aber nicht sichtbar.


Warum das wichtig ist: Der Rippentest ist die verlässlichste Methode zur Ersteinschätzung, und du benötigst dafür weder Waage noch Tierarzt.


Test 2: Der Taillentest


Der Test: Schau von oben senkrecht auf deinen Hund. Siehst du hinter dem Brustkorb eine deutliche Einschnürung zur Hüfte hin?


Übergewicht: Der Körper verläuft von den Schultern zu den Hüften ohne erkennbare Einschnürung, eher tonnenförmig oder breiter werdend.


Idealgewicht: Eine klare Taille ist von oben erkennbar.


Warum das wichtig ist: Fettgewebe setzt sich besonders an den Seiten ab und ist von oben gut sichtbar, bevor es für den Besitzer fühlbar wird.


Test 3: Das Ernährungsprotokoll


Der Test: Schreibe heute auf, was dein Hund in den letzten 24 Stunden gefressen hat, inklusive aller Extras.


Übergewicht-Risiko: Du kannst dich an mehr als drei Extras erinnern, oder du bist dir nicht sicher, wie viele Leckerlis es waren, und ob nachmittags noch etwas dazukam.


Gute Kontrolle: Du weißt genau, was dein Hund bekommen hat, weil du es bewusst dosierst und Extras in die Tagesration einrechnest.


Warum das wichtig ist: Wer den Überblick über die Futtermengen verloren hat, kann das Gewicht seines Hundes nicht kontrollieren.


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Test 4: Der Bewegungstest


Der Test: Wie viel bewegt sich dein Hund täglich, und kommt er dabei wirklich ins Laufen?


Zu wenig: Zweimal täglich zwanzig Minuten gemütliches Schlendern, bei dem der Hund hauptsächlich schnüffelt und du hauptsächlich wartest.


Ausreichend: Mindestens eine tägliche Einheit, bei der dein Hund dauerhaft in Bewegung ist, sei es durch Radfahren, freies Laufen auf einer großen Fläche oder strukturiertes Spiel.


Warum das wichtig ist: Schnüffeln ist wertvoll für die mentale Auslastung, aber kein nennenswerter Kalorienverbrauch. Echter Bewegungsreiz braucht anhaltende körperliche Aktivität.


Test 5: Der Verlaufstest


Der Test: Wie lange hast du deinen Hund nicht bewusst von der Seite betrachtet, und weißt du noch, wie er vor einem Jahr aussah?


Übergewicht-Risiko: Du weißt es nicht mehr genau, oder der letzte bewusste Blick liegt Monate zurück.


Gute Kontrolle: Du schaust bewusst und regelmäßig auf die Körpersilhouette deines Hundes, erkennst Veränderungen früh und reagierst.


Warum das wichtig ist: Gewichtszunahme ist ein schleichender Prozess. Wer regelmäßig bewusst hinschaut, bemerkt Veränderungen rechtzeitig, bevor sie medizinisch relevant werden.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)


Mein Tierarzt hat nie etwas gesagt. Kann es wirklich so schlimm sein?


Studien zeigen, dass Tierärzte das Körpergewicht von Hunden in der Praxis häufig nicht ansprechen, auch weil viele Halter defensiv reagieren. Dennoch ist ein Problem vorhanden. Bitte deinen Tierarzt beim nächsten Besuch gezielt um eine Einschätzung des Body Condition Scores. Oder melde dich bei mir.


Mein Hund ist ein Labrador. Die sind doch einfach etwas fülliger?


Labradore haben tatsächlich eine genetische Veranlagung, die sie anfälliger für Übergewicht macht. Eine Mutation im POMC-Gen, die 2016 von Forschern der Universität Cambridge identifiziert wurde, beeinträchtigt bei betroffenen Hunden das Sättigungsgefühl. Das erklärt die Neigung zum Übergewicht, rechtfertigt ihn aber medizinisch gesehen nicht. Ein Labrador mit Idealgewicht lebt länger und gesünder.


Reicht es, weniger zu füttern?


Weniger zu füttern ist ein Teil der Lösung, aber alleine reicht es oft nicht aus. Die Qualität des Futters, die Zusammensetzung der Mahlzeiten und die körperliche Aktivität sind genauso wichtig. Außerdem sollte eine Gewichtsreduktion beim Hund immer schrittweise erfolgen, da zu schnelles Abnehmen die Leber belasten kann.


Wie schnell kann mein Hund abnehmen?


Eine gesunde Abnahmerate liegt bei etwa einem Prozent des Körpergewichts pro Woche. Bei einem 30-Kilo-Hund wären das 300 Gramm pro Woche. Schnellere Gewichtsabnahme sollte tierärztlich begleitet werden.


Ist Rohfütterung besser als Trockenfutter?


Beide Fütterungsformen können richtig oder falsch umgesetzt werden. Entscheidend sind die Qualität der Zutaten, eine ausgewogene Nährstoffversorgung und die richtige Menge. Meine beiden Ratgeber helfen dir, in beiden Bereichen den richtigen Einstieg zu finden.


Mein Hund ist alt. Ist Sport jetzt noch sinnvoll?


Auch für ältere Hunde ist moderate Bewegung wichtig, oft sogar therapeutisch notwendig. Gelenkschonende Bewegung wie langsames Radfahren ist häufig besser verträglich als intensive Spaziergänge. Sprich mit deinem Tierarzt darüber, welche Bewegungsform für deinen Hund geeignet ist.


Wie erkenne ich gutes Hundefutter?


Die wichtigsten Hinweise stehen im Zutatenverzeichnis. Fleisch sollte an erster Stelle stehen, und der Gesamtanteil an tierischen Proteinen sollte hoch sein. Lange Zutatenverzeichnisse mit vielen unbekannten Bezeichnungen und hohem Getreideanteil sind ein schlechtes Zeichen. Meine Ratgeber erklären das Schritt für Schritt. Hier gelangst du zu einem sehr guten Trockenfutter.


Was hat Radfahren mit Übergewicht zu tun?


Sehr viel. Beim Radfahren mit dem Hund legt ihr in derselben Zeit die zwei- bis dreifache Distanz eines normalen Spaziergangs zurück, bei gleichmäßigem Tempo und ohne Stress. Für übergewichtige Hunde ist das ideal, weil die Belastung kontrollierbar bleibt und die Ausdauer systematisch aufgebaut werden kann. Wie du damit anfängst, erkläre ich in dem Artikel: „Wie fahre ich mit meinem Hund Fahrrad?


Übergewicht ist kein Schicksal


Meine Huskys laufen im Winter hunderte Kilometer. Sie sind durchtrainiert, schlank und gesund. Das hat nichts damit zu tun, dass ich besondere Fähigkeiten hätte oder dass Huskys einfach so gebaut sind. Es liegt daran, dass ich jeden Tag bewusst entscheide, was sie fressen und wie viel sie sich bewegen.


Bewusstsein ist der erste Schritt. Wer erkennt, dass sein Hund zu schwer ist, und versteht, wie es dazu gekommen ist, hat die wichtigste Grundlage für eine Veränderung bereits geschaffen.


Den Rest erledigen Zeit, die richtige Fütterung und ausreichend Bewegung. Und gelegentlich ein Fahrrad.


Lisa Pannenberg ist Hundetrainerin auf dem Pfoten-Pfad in Stinstedt, Langstrecken-Musherin und Weltmeisterschaftsteilnehmerin im Schlittenhundesport.

Hier geht es zur Übersicht aller Artikel in diesem Blog: https://www.pfoten-pfad.de/blog

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Der Wunsch, dem Hund alles zu geben, alles offenzuhalten, nichts zuzumuten, was unangenehm sein könnte. Konflikte vermeiden. Klare Regeln meiden. Auseinandersetzungen umschiffen. Und wenn das alles zu anstrengend wird, lagert man einen Teil der Beschäftigung einfach aus: an YouTube-Videos, an Intelligenzspiele, an Hundedaycare, an Gadgets, die den Hund unterhalten sollen, während man selbst etwas anderes tut. Das klingt fürsorglich, ist aber das Gegenteil davon. Echte Empathie entsteht in echter Interaktion. Sie entsteht dadurch, dass zwei Wesen aufeinandertreffen, unterschiedliche Bedürfnisse haben, und lernen, damit umzugehen. Dass es Reibung gibt, Grenzen, Momente, in denen das eine dem anderen etwas zumutet. Genau diese Reibung fehlt immer öfter. Und ohne Reibung kein Wachstum, weder beim Hund noch beim Menschen. Der Neurowissenschaftler Michael Merzenich hat in jahrzehntelanger Forschung zur Neuroplastizität gezeigt, dass Gehirne sich durch Herausforderungen entwickeln, nicht durch Komfort. Was nicht gefordert wird, bildet sich zurück. Was keine Grenzen erfährt, findet keine Form. Das gilt für Menschen. Und es gilt für Hunde. Was passiert, wenn ein Hund keine Grenzen kennt Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir seit den Arbeiten von Jean Piaget und später Erik Erikson, dass Grenzerfahrungen für die Identitätsentwicklung zentral sind. An Grenzen erfährt ein Lebewesen: Das bin ich, und das bin ich nicht. Hier gehöre ich dazu (Familie), und dort sind die anderen. Dieses Wissen um die eigene Identität, das eigene Selbstkonzept, entsteht nicht im Vakuum. Es entsteht in der Auseinandersetzung. Was passiert mit einem Hund, dem diese Auseinandersetzung systematisch erspart wird? Er bleibt auf der Suche. Auf der Suche nach sich selbst, nach Orientierung, nach dem Punkt, an dem jemand sagt: Bis hier und nicht weiter. Und weil er diesen Punkt bei seinem Menschen nicht findet, sucht er ihn woanders. Bei anderen Hunden. Bei Fremden. Beim Paketboten. Beim Nachbarshund durch den Zaun. Das, was wir dann als Aggression, als Pöbeln, als Unberechenbarkeit bezeichnen, ist in Wirklichkeit oft etwas anderes: ein Hund, der verzweifelt nach Struktur sucht, weil er zu Hause keine findet. Diese Hunde wirken nicht glücklich, sie wirken rastlos, angespannt, nie wirklich bei sich. Sie haben alles, und es reicht nicht. Sie sind seelisch hungrig, trotz vollem Napf, trotz Kissen und Quietschtiersortiment. Du möchtest unseren WhatsApp-Newsletter empfangen und auf dem Laufenden bleiben über unsere exklusiven Veranstaltungen, neue Blogbeiträge und Informationen aus erster Hand? Dann melde dich unkompliziert bei unserem WhatsApp-Newsletter an. Einfach auf den Button -> WhatsApp-Newsletter tippen und in Zukunft nichts mehr verpassen. Ein realer Fall: Der Hund, der alles hatte und nichts wollte Ich erinnere mich an eine Frau, die mit ihrem Labrador zu mir ins Seminar kam. Der Hund war fast zwei Jahre alt, bestens versorgt, täglich zweimal ausgedehnte Spaziergänge, abends Agility, am Wochenende Mantrailing. Er hatte Beschäftigung ohne Ende. Und er war miserabel zu führen. Er ignorierte seinen Rückruf, zog an der Leine, schoss auf andere Hunde zu, nicht aggressiv, aber mit einer Intensität, die seine Halterin regelmäßig von den Beinen riss. Sie hatte drei Hundeschulen hinter sich, zwei Einzeltrainer, einen Online-Kurs über Impulskontrolle. Am Ende machte sie selbst für ihren Hund einen Kurs zur Hundetrainerin. Mit dem Erfolg, das sie nun vor mir stand. Als ich sie fragte, ob sie sich vorstellen könne, einfach einmal einen ganzen Tag nichts Besonderes mit ihm zu machen, kein Training, kein Agility, kein Mantrailing, einfach nur leben, schaute sie mich an, als hätte ich ihr etwas Ungeheuerliches vorgeschlagen. "Aber er braucht doch Beschäftigung", sagte sie. "Er wird sonst unruhig." Genau das war der Punkt. Der Hund war nicht unruhig, weil er zu wenig Beschäftigung hatte. Er war unruhig, weil seine Halterin glaubte, er brauche ständig Beschäftigung. Diese Erwartungshaltung, dieses ständige Kreisen der Gedanken um den Hund, hatte sich auf ihn übertragen. Er spürte, dass da immer etwas passieren musste. Und also wartete er immer auf das nächste Etwas, anstatt einfach da zu sein. Am dritten Seminartag ließ ich sie mit ihm einfach nur durch den Wald laufen. Kein Ziel, kein Training, keine Aufgabe. Sie sollte geradeaus gehen und an irgendetwas anderes denken. An den Einkaufszettel. An das Gespräch mit ihrer Schwester. An was auch immer. Nur nicht an den Hund. Nach zwanzig Minuten lief der Hund ruhig an ihrer Seite, schnüffelte entspannt am Wegrand und schaute gelegentlich zu ihr hoch. Nicht aufgeregt. Nicht fordernd. Einfach dabei. Sie hatte Tränen in den Augen. Es gibt Menschen, die ihren Hund einfach überallhin mitnehmen. In die Stadt, ins Café, zum Markt, in den Urlaub. Nicht weil ihr Hund perfekt trainiert ist, sondern weil sie verstanden haben, was einen Hund wirklich alltagstauglich macht. Was das ist und wie das geht, habe ich in meinem Buch "So kannst du deinen Hund überallhin mitnehmen" beschrieben. Respekt ist keine Einbahnstraße Es gibt Länder, in denen Hunde genauso viel Zeit mit ihren Menschen verbringen wie hier, genauso viel Zuneigung bekommen, genauso geliebt werden. Und trotzdem verhalten sie sich anders. Ruhiger. Klarer. Weniger auf der Suche. Der Unterschied ist nicht die Menge der Zuwendung. Der Unterschied ist, dass diese Zuwendung mit einer klaren Gegenleistung verbunden ist. Geben und Nehmen. Das nennt sich Respekt. Und Respekt ist etwas, das kann man sich nicht kaufen. Das kann man nicht trainieren. Es ist etwas, das man sich beim Gegenüber verdienen muss, durch Konsequenz, durch Authentizität, durch die Bereitschaft, eine klare Haltung einzunehmen und dabei zu bleiben. Der dänische Pädagoge und Familientherapeut Jesper Juul hat in seinem Werk "Dein kompetentes Kind" (1995) beschrieben, wie Kinder, die ohne klare Grenzen aufwachsen, nicht freier werden, sondern orientierungsloser. Sie haben mehr Optionen, aber weniger innere Sicherheit. Mehr Freiheit im äußeren Sinne, aber weniger Freiheit im inneren Sinne, weil sie nie gelernt haben, wer sie sind und wo sie hingehören. Was Juul über Kinder schreibt, gilt in bemerkenswerter Weise auch für Hunde. Ein Hund, dem niemand zeigt, wo seine Grenzen liegen, ist kein freier Hund. Er ist ein suchender Hund. Sich nichts gefallen lassen Hier möchte ich etwas sagen, das in der heutigen Hundeszene fast niemand mehr laut ausspricht: Du hast das Recht, dir von deinem Hund nicht alles gefallen zu lassen. Nicht das Anspringen, das Zerren, das Ignorieren, das Anpöbeln anderer, das Beißen. Nicht das Mobbing, denn ja, auch Hunde können ihre Menschen mobben, und es passiert öfter als man denkt. Wir fangen keinen Ärger an, aber wir beenden ihn. Ein Hund, der sich asozial verhält, verhält sich asozial. Das ändert sich nicht dadurch, dass er zuhause lieb und kuschelig ist. Und es ändert sich auch nicht durch das nächste Leckerli, das nächste Training, den nächsten Kurs. Es ändert sich, wenn du aufhörst, es zu dulden. Den meisten Hundehaltern fehlt dabei nicht der soziale Kompass. Der ist meistens tadellos geeicht. Was ihnen fehlt, ist der Glaube an sich selbst, seine Wirksamkeit und das Vertrauen in die eigenen Mittel . Die Überzeugung, dass sie das dürfen. Dass sie keine Erlaubnis brauchen. Dass ihre Grenze ihre Grenze ist, auch gegenüber ihrem Hund. Selbsttest: Verwöhnst du deinen Hund in die Orientierungslosigkeit? Beantworte diese fünf Fragen ehrlich. 1. Vermeidest du Konflikte mit deinem Hund? Wenn dein Hund etwas tut, das dir nicht passt, sagst du es klar? Oder umschiffst du die Situation, lenkst ab, wartest, bis es vorbeigeht? Wie oft gibst du nach, nur um den Frieden zu wahren? 2. Ist dein Hund ständig beschäftigt? Glaubst du, dass dein Hund Beschäftigung braucht, um ausgeglichen zu sein? Hast du das Gefühl, dass du dir schuldig bist, wenn du einen Tag lang nichts Besonderes mit ihm machst? Kannst du einfach nur leben, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? 3. Wie reagiert dein Hund, wenn er Grenzen erfährt? Wenn du deinem Hund etwas verbietest, wie reagiert er? Akzeptiert er es? Eskaliert er? Testet er, ob du es ernst meinst? Und gibst du nach, wenn er protestiert? 4. Sucht dein Hund ständig nach Reibung? Pöbelt er andere Hunde an? Reagiert er übermäßig auf Fremde? Ist er selten wirklich entspannt, immer auf dem Sprung? Das kann ein Zeichen sein, dass er zuhause die Grenzen und Strukturen nicht findet, die er sucht. 5. Ist dein Hund wirklich zufrieden? Nicht beschäftigt. Nicht versorgt. Zufrieden. Gibt es Momente, in denen er einfach nur da ist, ruhig, entspannt, bei sich? Oder ist er immer in Bewegung, immer auf der Suche, nie wirklich angekommen? Auswertung: Wenn du bei mehreren Fragen ins Stocken geraten bist, dann zeigt dir das nicht, dass du ein schlechter Hundehalter bist. Es zeigt dir, dass du deinen Hund sehr liebst und ihm alles geben willst. Das ist keine schlechte Eigenschaft. Aber Liebe ohne Klarheit ist keine Gefälligkeit für den Hund. Es ist eine Überforderung. FAQ Heißt das, ich soll meinen Hund weniger lieben? Nicht weniger lieben, sondern klarer lieben. Liebe ohne Grenzen ist für ein soziales Wesen wie den Hund keine Befreiung, sondern eine Überforderung. Dein Hund braucht deine Zuneigung und deine Klarheit. Beides zusammen. Mein Hund hat so viel Energie, er muss doch beschäftigt werden, oder? Die Frage ist, woher diese Energie kommt. Ein Hund, der innerlich zur Ruhe kommen kann, hat in der Regel weniger von dieser rastlosen, ungerichteten Energie. Viel Beschäftigung kann das Problem kurzfristig lösen, aber langfristig verstärkt es die Erwartungshaltung. Der Hund lernt: Es passiert immer etwas. Und dann wartet er ständig auf das nächste Etwas. Ich will meinen Hund nicht dominieren. Ist Klarheit nicht dasselbe wie Dominanz? Klarheit und Dominanz sind zwei verschiedene Dinge. Dominanz kommt aus dem Bedürfnis, Macht zu demonstrieren. Klarheit kommt aus der inneren Sicherheit, wer man ist und was man will. Ein Hund, der einem klaren Menschen folgt, folgt ihm nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen. Das ist der Unterschied. Was mache ich, wenn mein Hund auf meine Grenzen nicht reagiert? Dann ist die erste Frage nicht, wie du die Grenze durchsetzt, sondern ob du die Grenze selbst glaubst. Hunde reagieren auf innere Klarheit. Wenn du dir selbst nicht sicher bist, ob du das darf oder willst, spürt dein Hund das. Die Arbeit beginnt bei dir. Mein Hund wurde aus dem Tierschutz geholt und hat viel erlebt. Gelten diese Regeln auch für ihn? Ja, gerade für ihn. Ein Hund mit schwieriger Vergangenheit braucht keinen Menschen, der auf Zehenspitzen geht und alles vermeidet, was ihn triggern könnte. Er benötigt jemanden, der stabil ist, der eine klare Haltung hat, der verlässlich ist. Struktur und Klarheit sind für einen unsicheren Hund heilsamer als jede Überfürsorge. Ist es nicht grausam, einem Hund Grenzen zu setzen? Es ist grausam, einem Hund keine Grenzen zu setzen. Nicht im dramatischen Sinne, aber in dem Sinne, dass du ihm etwas vorenthältst, das er zum Leben braucht. Orientierung. Struktur. Das Wissen, wer er ist und wo er hingehört. Ein Hund ohne Grenzen ist kein freier Hund. Er ist ein suchender Hund. Mein Hund ist schon älter, kann man da noch etwas ändern? Ja. Gehirne sind plastisch, das hat die Neuroplastizitätsforschung eindeutig gezeigt. Michael Merzenich hat nachgewiesen, dass sich neuronale Strukturen in jedem Alter durch neue Erfahrungen verändern können. Das bedarf Zeit und Konsequenz. Aber es funktioniert. Was dein Hund wirklich will Dein Hund will nicht dein Hobby sein. Er will nicht dein Projekt sein, nicht dein Therapiepartner, nicht das Zentrum, um das sich alles dreht. Er will dabei sein. Einfach dabei. Er will Abenteuer mit dir erleben, in die Welt gehen, Dinge tun. Er will einen Menschen an seiner Seite, der weiß, wohin er geht, und dem er deshalb vertrauen kann. Das bekommst du nicht durch mehr Intelligenzspiele. Das bekommst du durch Klarheit, durch Konsequenz und durch die Bereitschaft, deinem Hund zuzumuten, was das Leben eben manchmal zumutet. Geht raus mit euren Hunden. Habt Spaß. Seid keine Hasenfüße. Und erklärt ihnen nebenbei eure Regeln. Lasst sie Bestandteil eures Lebens sein, aber nicht mehr. Dann klappt das mit dem respektvollen Miteinander fast von allein. Eckard Wulfmeyer ist Mentalcoach und Verhaltensanalyst sowie Gründer des Pfoten-Pfads in Stinstedt. Er begleitet Hundehalter dabei, ihren eigenen Weg mit ihrem Hund zu finden, fern von Methoden und Gebrauchsanweisungen. Hier geht es zur Übersichtsseite der Bücher über den Pfoten-Pfad.
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