von Eckard Wulfmeyer
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15. Januar 2026
Ich erlebe oft, dass Menschen lieber eine Diagnose bekommen, als Verantwortung zu übernehmen. Es ist bequemer, wenn ein Papier erklärt, warum man so ist, wie man ist. Der Gedanke, dass man sich selbst verändern könnte, ist anstrengend. Lieber sagt man: „Ich bin eben so.“ Ein Etikett entlastet. Es ersetzt das Nachdenken. Mit Hunden ist es ähnlich. Viele suchen nach einer Erklärung, warum ihr Hund so schwierig ist. „Er ist eben ängstlich“, „Das ist seine Rasse“, „Der wurde in der Welpenzeit falsch geprägt“, alles kleine Diagnosen, die sich anhören wie Entschuldigungen. Es klingt verständnisvoll, fast liebevoll. Aber in Wahrheit nehmen sie dem Hund die Möglichkeit, sich zu verändern. Sie frieren ihn ein in dem, was er gerade ist. So wie der Mensch, der sich über seine Depression definiert, definiert sich der Hund über seine vermeintliche Störung. Beide bleiben stehen, wo Bewegung nötig wäre. Auf dem Pfoten-Pfad geht es nicht um Etiketten, sondern um Entwicklung. Ein Hund ist kein Symptom, er ist ein Spiegel. Wenn er pöbelt, wenn er sich zurückzieht, wenn er nicht folgt, dann zeigt er etwas. Er spiegelt das, was in der Beziehung gerade nicht stimmig ist. So wie ein Therapeut nicht die Tablette sucht, sondern das Gespräch, sucht Lisa den Kontakt zum Hund. Keine Diagnose, kein Kommando, kein Rezept. Nur Beziehung. Ich erinnere mich an einen Mann, der mit seinem Rüden zu uns kam. Der Hund trug ein Geschirr mit der Aufschrift „Angsthase“. Der Halter sagte, das helfe anderen, Abstand zu halten. Lisa bat ihn, das Geschirr auszuziehen. Der Hund stand einen Moment still, sah uns an, dann hob er die Nase und roch in den Wind. Zum ersten Mal sahen wir, wie seine Rute leicht schwang. Es war, als würde jemand die Etiketten im Kopf abreißen, nicht nur im Kopf des Hundes. Padberg sagte einmal, Diagnosen entlasten Menschen von Verantwortung. Das gilt besonders dann, wenn man glaubt, das Problem liege in einem Fehler des Gehirns. Dann ist niemand mehr schuld, niemand mehr gefragt, etwas zu verändern. Und das Umfeld reagiert verständnisvoll: Man bekommt Mitleid, man bekommt Zuwendung, manchmal sogar Bewunderung für das eigene Leiden. Aber man verliert den Zugang zur eigenen Kraft. So wie der Hund, dem man sagt, er sei „nicht sozialisierbar“ wird auch im Hundetraining ständig nach biologischen oder genetischen Erklärungen gesucht. Hormone, Rasse, Instinkte, Vererbung, alles soll erklären, warum der Hund so ist, wie er ist. Aber diese Erklärungen nehmen dem Menschen die Verantwortung, eine Beziehung zu gestalten. Sie machen das Tier zu einer Maschine, deren Schaltkreise man nur richtig verstehen müsse, um sie zu reparieren. Doch Beziehung ist keine Reparaturwerkstatt. Wenn Lisa mit ihren Huskys arbeitet, sehe ich oft das Gegenteil: Hunde, die im reinen Zusammenleben plötzlich anders werden, obwohl sich ihre Gene, Hormone und Hirnchemie kein Stück verändert haben. Was sich verändert, ist die Haltung des Menschen. Seine Präsenz. Seine Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen: für sich, für den Moment, für die gemeinsame Bewegung. Der Hund spürt das. Und er verändert sich. Jede Veränderung von dir verändert deinen Hund, das ist das Gesetz der Resonanz, das ist die Grundlage des Pfoten-Pfad. Es ist erstaunlich, wie schnell ein Hund, dem man jahrelang „Angst“ zugeschrieben hat, wieder sicher laufen kann, wenn er jemanden hat, der wirklich führt. Nicht laut, nicht hart, sondern innerlich und klar. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass Führung dem Leben Struktur gibt, wo sonst Diagnose nur Erklärung liefert, denn eine Diagnose beschreibt, was ist. Führung zeigt, was werden kann. Wenn Menschen Verantwortung übernehmen, verändert sich die Atmosphäre. Sie stehen aufrechter, ihre Stimme wird ruhiger, ihr Blick klarer, nur aufgrund ihrer veränderten inneren Haltung. Ihr Hund liest das und beginnt, sich neu zu orientieren. Das ist die eigentliche Biochemie: Beziehung setzt Hormone frei, Vertrauen verändert den Körper, Bewegung baut Spannung ab. Man kann es im Labor messen und jeder Hund kann es spüren. Der Unterschied zwischen Therapie und Beziehung ist derselbe wie zwischen einem Etikett und einem Halsband. Das Etikett klebt fest, das Halsband kann man öffnen, wenn die Bindung stark genug ist. Und wenn der Moment kommt, an dem der Hund frei neben einem läuft, ganz ohne Leine, dann ist das die schönste Form von Heilung, und zwar für beide. Wenn du bereit bist, deine Glaubenssätze wie Etiketten abzureißen und dich stattdessen auf das Abenteuer einer echten Beziehung einzulassen, dann ist mein Buch „ Vorne gucken, gehen!“ dein Wegweiser. Es ist kein klassischer Ratgeber mit schnellen Rezepten, sondern eine Einladung, die Führung in deinem Leben und in der Beziehung zu deinem Hund neu zu definieren. Denn Heilung beginnt dort, wo wir aufhören zu erklären und anfangen zu führen. Lass uns gemeinsam den ersten Schritt machen, weg von der Diagnose, hin zur Bewegung. Schau nach vorn, nimm die Leine locker und geh einfach los. Dieses Lösen von alten Etiketten und das Hineinwachsen in eine echte, verantwortungsvolle Führung ist ein Prozess, der Raum und Zeit benötigt, weit weg vom Lärm des Alltags. In unseren Wochenseminaren auf dem Pfoten-Pfad bieten wir dir genau diesen geschützten Rahmen. Gemeinsam mit Lisa und ihren 20 Huskys laden wir dich ein, eine Woche lang die Diagnosen hinter dir zu lassen und stattdessen die Sprache der Resonanz zu lernen. Es ist eine Einladung, nicht nur das Verhalten deines Hundes, sondern deine eigene Präsenz neu zu entdecken und zu erleben, wie aus bloßem Nebeneinanderhergehen eine tiefe, freie Verbindung wird. Wenn du bereit bist, die Verantwortung für diese Bewegung zu übernehmen, begleiten wir dich und deinen Hund gerne auf diesem Weg.