Gedanken zum Pfoten-Pfad
Was sollen denn die anderen denken ....
Warum die Opferrolle dein größtes Problem ist.

Die Illusion der Kontrolle über fremde Gedanken
Mal ehrlich: Was andere über dich denken, kannst du am Ende des Tages nur sehr bedingt beeinflussen. Du hast keine Macht über die Gedanken anderer Menschen. Du kannst sie nicht kontrollieren, nicht steuern, nicht manipulieren.
Aber du kannst etwas anderes tun. Du kannst beeinflussen, wie du auf andere wirkst. Und das geschieht nicht durch das, was du sagst oder wie du aussiehst, sondern durch das, was du ausstrahlst.
Es gibt im Wesentlichen zwei Arten, wie du in so einer Situation auf andere Menschen wirken kannst.
Die erste Variante kennst du vermutlich sehr gut.
Das Bild, das andere von dir sehen
Stell dir die Szene vor: Eine junge Familie kommt dir entgegen. Kinderwagen, kleiner Hund, Sonntagsspaziergang. Dein Hund sieht sie und beginnt zu brüllen. Du reagierst sofort. Du ziehst an der Leine, versuchst über das Geschirr Macht auszuüben, redest auf deinen Hund ein, zerrst, kämpfst, kommst aber keinen einzigen Schritt weiter.
Was sollen diese Menschen in diesem Moment von dir denken? Es gibt nur ein Wort, das zusammenfasst, was sie sehen: Opfer. Du bist das Opfer deines Hundes. Du bist das Opfer der Situation. Du bist hilflos, verzweifelt und ohne Kontrolle. Dein ganzer Körper schreit: "Ich schaffe das nicht. Ich habe keine Autorität. Ich bin diesem Tier ausgeliefert."
Und wenn das Gegenüber zu dieser Überzeugung gekommen ist, dass du ein Opfer bist, passiert in vielen Fällen etwas Vorhersehbares: Du wirst angesprochen.
Die Worte, die treffen
Die Formulierungen variieren, aber die Botschaft ist immer dieselbe:
"Den müsste man dem Tierschutz melden."
"Dir sollte man den Hund wegnehmen."
"Du solltest mal in eine Hundeschule gehen."
Das sind noch die netteren Varianten. Ich habe Wochenseminar-Teilnehmer erlebt, die sich Dinge anhören mussten, die ich hier nicht wiederholen möchte. Und jedes Mal, wenn so etwas passiert, verfestigt sich das Gefühl: "Ich bin nicht gut genug. Ich versage. Alle sehen, dass ich es nicht kann." Die Opferrolle wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Der andere Weg: Autorität, nicht Autorität
Jetzt stell dir eine andere Szene vor. Dieselbe Familie. Derselbe Kinderwagen. Derselbe kleine Hund.
Aber dieses Mal hast du etwas anderes: Autorität. Und ich meine damit ausdrücklich nicht autoritär. Ich spreche von einer inneren Haltung, die so klar und stabil ist, dass sie nach außen strahlt. Was passiert in diesem Moment?
Zwei Dinge gleichzeitig:
Erstens: Dein Hund unterlässt von sich aus das Anbellen der jungen Familie. Er tut es nicht, weil du ihn zurechtweist, sondern weil er deine Autorität spürt, akzeptiert und damit respektiert. Er hat es gar nicht mehr nötig, sich um solche Belanglosigkeiten wie andere Fußgänger mit Kinderwagen und kleinem Hund zu kümmern. Seine Aufmerksamkeit liegt bei dir, weil du der sichere Anker bist.
Zweitens: Du wirst von anderen nicht angesprochen. Niemand ruft dir hinterher. Niemand macht dir Vorwürfe. Niemand stellt deine Kompetenz infrage.
Das ungeschriebene Gesetz der Autorität
Es ist ein Phänomen, das sich sehr deutlich nachweisen lässt: Menschen, die Autorität ausstrahlen, werden bedeutend seltener von anderen Menschen gemaßregelt oder diszipliniert als Menschen, die auf dem Weg in die Opferrolle sind. Man mag das gut finden. Man mag das blöd finden. Doch am Ende des Tages ist es so, wie es ist. Und ich bin mir sicher, dass sich das auch in den kommenden Jahrzehnten nicht ändern wird. Dieses Spiel zwischen Autorität, Opfer und einer dritten beobachtenden Partei läuft seit Hunderten von Jahren ab. Wir haben jetzt Anfang 2026, und wir können dieses Muster überall auf der Welt beobachten. Die Anzahl der Menschen, die sich nach einer Führungsautorität sehnen, wird immer größer. Die Anzahl der Menschen, auf die sie verächtlich herabblicken, wird ebenfalls immer größer.
Warum niemand das Opfer respektiert
Das klingt hart. Vielleicht sogar ungerecht. Aber es ist eine psychologische Realität, die wir nicht ignorieren können. Menschen reagieren auf Autorität und auf Schwäche sehr unterschiedlich. Autorität erzeugt Respekt, manchmal sogar Bewunderung. Schwäche erzeugt Mitleid im besten Fall und Verachtung im schlimmsten. Das hat nichts mit Moral zu tun. Es hat etwas mit menschlicher Psychologie zu tun. Wir sind darauf programmiert, nach Stabilität zu suchen. Nach Sicherheit. Nach jemandem, der weiß, was er tut. Und damit den Hunden sehr ähnlich.
Wenn wir jemanden sehen, der offensichtlich nicht die Kontrolle hat, löst das in uns eine instinktive Reaktion aus. Wir kategorisieren diese Person als schwach, als unsicher, als jemand, der Hilfe braucht oder der korrigiert werden muss. Und genau deshalb fühlen sich manche Menschen berechtigt, dir ungefragt ihre Meinung zu sagen.
Die Ursache, nicht das Symptom
Hier kommt das zentrale Prinzip des Pfoten-Pfades ins Spiel: Bekämpfe nicht das Symptom, bekämpfe die Ursache.
Das Symptom ist der bellende Hund. Das Symptom sind die vorwurfsvollen Blicke der anderen. Das Symptom ist dein Gefühl, versagt zu haben. Die Ursache ist deine fehlende Autorität.
Wenn die Ursache weg ist, tritt auch das Symptom nicht mehr in Erscheinung. Du kannst jahrelang versuchen, deinen Hund durch Training, durch Leckerli, durch Ablenkung, durch positive Verstärkung dazu zu bringen, nicht mehr zu bellen. Vielleicht funktioniert es manchmal. Vielleicht auch nicht. Aber solange du nicht an deiner inneren Haltung arbeitest, solange du nicht lernst, wirklich zu führen, wirst du immer wieder in dieselbe Situation geraten. Und du wirst dich immer wieder fragen: "Was sollen denn die anderen denken?"
Was echte Autorität bedeutet
Autorität hat nichts mit Lautstärke, Körpergröße oder Kraft zu tun. Autorität ist eine innere Klarheit, die nach außen strahlt. Es ist die Gewissheit, dass du weißt, wo du hingehst. Dass du Entscheidungen triffst und zu ihnen stehst. Dass du nicht zögerst, nicht zweifelst, nicht schwankst.
Ein Mensch mit Autorität geht an der Familie mit Kinderwagen vorbei, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, was diese Menschen denken könnten. Weil er weiß: Ich habe die Situation im Griff. Mein Hund vertraut mir. Ich bin der Anker. Und genau diese innere Gewissheit überträgt sich. Auf den Hund. Und auf die Menschen um dich herum.
Wie du aus der Opferrolle herauskommst
Die gute Nachricht: Autorität ist keine angeborene Eigenschaft. Sie ist keine Frage des Charakters. Sie ist eine Entscheidung.
Du kannst dich entscheiden, aus der Opferrolle herauszutreten. Du kannst dich entscheiden, Verantwortung zu übernehmen. Nicht nur für deinen Hund, sondern für deine eigene Haltung, deine eigene Präsenz, dein eigenes Auftreten.
Hier sind die ersten Schritte:
1. Hör auf zu fragen, was andere denken
Die Frage "Was sollen die anderen denken?" ist ein Zeichen von Unsicherheit. Sie lenkt deine Aufmerksamkeit nach außen, statt nach innen. Solange du dich darum sorgst, was fremde Menschen über dich denken, bist du nicht bei dir. Und wenn du nicht bei dir bist, kann dein Hund nicht bei dir sein.
2. Definiere deine Haltung
Was ist dir wichtig? Wie willst du mit deinem Hund leben? Welche Werte vertrittst du? Je klarer du dir darüber bist, wer du bist und wofür du stehst, desto klarer wird deine Ausstrahlung.
3. Übernimm die Verantwortung
Dein Hund ist nicht das Problem. Die anderen Menschen sind nicht das Problem. Die Situation ist nicht das Problem. Du bist die einzige Variable, die du wirklich verändern kannst. Und das ist keine schlechte Nachricht. Es ist eine befreiende Nachricht. Weil es bedeutet: Du hast die Macht, etwas zu ändern.
4. Übe Präsenz
Autorität entsteht nicht durch laute Kommandos oder perfekte Technik. Sie entsteht durch Präsenz. Durch das Da-Sein im Moment. Durch die Fähigkeit, klar und ruhig zu bleiben, auch wenn es chaotisch wird.
5. Akzeptiere, dass Veränderung Zeit braucht
Du wirst nicht von heute auf morgen zur Autorität. Aber du kannst heute anfangen, die Opferrolle hinter dir zu lassen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Jeden Spaziergang ein bisschen klarer. Jede Begegnung ein bisschen selbstbewusster.
Die Welt da draußen wird sich nicht ändern
Die Menschen werden auch in Zukunft urteilen. Sie werden auch in Zukunft ihre Meinung sagen. Sie werden auch in Zukunft auf Schwäche mit Verachtung und auf Stärke mit Respekt reagieren.
Das ist die Realität, in der wir leben. Du kannst sie nicht ändern.
Aber du kannst ändern, wie du in dieser Realität agierst. Du kannst entscheiden, ob du das Opfer sein willst oder die Autorität.
Und diese Entscheidung liegt allein bei dir.
Fazit: Die Frage, die wirklich zählt
"Was sollen denn die anderen denken?" ist die falsche Frage.
Die richtige Frage lautet: "Wer will ich sein?"
Willst du der Mensch sein, der hilflos an der Leine hängt und sich Vorwürfe anhören muss? Oder willst du der Mensch sein, der ruhig und klar an einer Familie vorbeigeht, ohne dass irgendjemand auch nur auf die Idee käme, dich anzusprechen?
Die Antwort auf diese Frage entscheidet nicht nur über deine Spaziergänge. Sie entscheidet über deine gesamte Beziehung zu deinem Hund. Und über deine Beziehung zu dir selbst.
Bekämpfe nicht das Symptom. Bekämpfe die Ursache.
Und die Ursache bist du.
Möchtest du lernen, wie du echte Autorität entwickelst?
In meinem Buch "Vorne gucken, gehen!" erfährst du, wie innere Haltung und äußere Präsenz zusammenhängen und wie du Führung lebst, statt sie zu spielen.
In unseren Wochenseminaren arbeitest du genau an diesem Punkt: an deiner Haltung, deiner Präsenz, deiner Autorität. Mit 20 Alaskan Huskys, die dir sofort spiegeln, wo du stehst.
Weiterlesen:
- Wenn der Hund nicht folgt: Die Entscheidung an der Kreuzung
- Hund richtig führen: Warum Kontinuität wichtiger ist als Training
- Warum Gleichwürdigkeit wichtiger ist als jedes Kommando
- Zur Blog-Übersicht
Hier geht es zur Übersicht aller Artikel in diesem Blog:
https://www.pfoten-pfad.de/blog
Du möchtest unseren WhatsApp-Newsletter empfangen und auf dem Laufenden bleiben über unsere exklusiven Veranstaltungen und neue Informationen aus erster Hand? Dann melde dich unkompliziert bei unserem WhatsApp-Newsletter an. Einfach auf den Button -> WhatsApp-Newsletter tippen und in Zukunft nichts mehr verpassen.









